Royals – Ein Spiel mit zwei unterschiedlichen Hälften

Man kennt das ja vom Fußball: In der ersten Halbzeit dominiert bei beiden Mannschaften verhaltene Taktik, nach dem Pausentee legen die Teams ihre Zurückhaltung ab und spielen auf Sieg. Es geht auf beiden Seiten rauf und runter und die Spieler erleben ein Wechselbad der Gefühle. Wer nicht über den Sportplatz rennen will wie ein Verrückter, kann dieses Feeling man auch bei Royals von Peter Hawes empfinden. Während die erste Hälfte der Partie eher ruhig und entspannt etwas für Sammler ist, geht in der zweiten Hälfte der Intrigenpunk ab.

Bei dieser Spielerezension fühlt man sich, als wäre man Reporter der Bunten oder der Gala. Das Thema würde auf jeden Fall gut in dieses Umfeld passen. Es geht nämlich um Royals. Nicht die von heute, sondern eher um die Aristokraten des 17. Jahrhunderts. In diese Zeit entführt das Spiel von Peter Hawes. In Royals übernehmen die Spieler die Rolle eines großen Adelsgeschlechtes und versuchen ihren Einfluss in den vier Regionen Spanien, Frankreich, Britannien und den deutschen Landen zu festigen, indem sie möglichst einflussreiche Positionen besetzen und diesen Einfluss in Siegpunkte ummünzen.

Bei Royals müssen Adelige in vier Regionen beeinflusst werden

Bei Royals müssen Adelige in vier Regionen beeinflusst werden. Für die Vorherrschaft in einer Region gibt es Siegpunkte

Und so geht’s: Es gibt sieben verschiedene Adelstitel im Spiel mit unterschiedlicher Wertigkeit – König (8), Prinzessin (6), Kardinal (5), Herzog (4), Comtesse (3), Baron (2) und Marschall (1). Diese sind auf dem Spielplan mehrfach vorhanden und haben ihr Domizil in verschiedenen Städten aufgeschlagen, zum Teil sogar in der gleichen Region. Zwar besitzt jede Region nur einen König, in Frankreich gibt es dafür zwei Prinzessinnen, in Spanien aber keine. Alle Figuren sind viermal vorhanden, nur den Baron gibt es fünfmal, sodass sich insgesamt 29 Personen auf dem Spielplan durch die Spieler kontrollieren lassen (Frankreich 9, deutsche Lande 8, Spanien 7, Britannien 5).

Adelige unter seine Kontrolle bringen

Adelige bringt ein Spieler mithilfe von Länderkarten unter seine Kontrolle. Je wertvoller ein Adeliger, desto mehr Karten sind nötig, um ihn zu kontrollieren. Je nachdem, in welcher Region man einen Adeligen unter seinen Willen zwingen will, benötigt man Karten der entsprechenden Farbe (Frankreich blau, deutsche Lande grün, Britannien rot, Spanien gelb).

Länderkarten erhält ein Spieler zu Beginn seines Zuges. Er muss entweder drei Länderkarten oder – dazu kommen wir später – eine Länderkarte und eine Intrigenkarte ziehen. Anschließend darf er passen, um Karten zu sammeln, oder so viele Karten in einer Farbe wieder abgeben, wie es dem Wert des Adeligen entspricht, den er kontrollieren möchte (König 8, Prinzessin 6…). Dabei kann man fehlende Karten einer Farbe 3:1 durch Karten falscher Farbe ersetzen.

Legt ein Spieler zum Beispiel sechs blaue Karten ab, um die Prinzessin in Dijon zu kontrollieren, markiert er dies mit einem Spielstein seiner Farbe, den er auf die Prinzessin in Dijon legt. Die Prinzessin macht ab sofort ihren Einfluss (2 Punkte) in einer Epochenwertung für die blaue Region für den kontrollierenden Spieler geltend.

Neben dem Spielplan liegen die 7 Titelwertungsmarker. Wer zuerst auf jedem Titel einen Marker hat, erhält 16 Punkte.

Neben dem Spielplan liegen die 7 Titelwertungsmarker. Wer zuerst auf jedem Titel einen Marker hat, erhält 16 Punkte.

Gleichzeitig platziert der Spieler einen weiteren Spielstein auf den Titelwertungsmarker der Prinzessin. Jede Figur hat neben dem Spielplan einen Titelwertungsmarker liegen. Wann immer ein Spieler eine Figur auf dem Spielplan unter seine Kontrolle bringt, legt er auch auf dem entsprechenden Titelwertungsmarker einen Spielstein ab. Diese sammeln sich dort und bringen nach Spielende Siegpunkte.

Apropos Siegpunkte

Siegpunkte kann man auf verschiedene Weise erlangen. Wer als erster Spieler in einer Stadt eine Figur kontrolliert – in einer Stadt können 1 oder 2 Figuren sein – darf sich den neben der Stadt liegenden Punktemarker nehmen. Hat ein Spieler als Erster in allen Städten einer Region einmal eine Figur unter seine Kontrolle gebracht, darf er sich den höheren der beiden Regionenmarker nehmen. Gelingt dies noch einem anderen Spieler, darf er sich den anderen Marker nehmen. Jedes Mal, wenn der Länderkartenstapel leer ist, kommt es zu einer Epochenwertung. In jeder Region stimmen die Adeligen mit ihrem Einfluss für den kontrollierenden Spieler ab. Wer den meisten Einfluss in einer Region besitzt, erhält den höheren Wertungsstein (z.B. Frankreich 10). Der zweite Spieler bekommt den kleineren Wertungsmarker (Frankreich 4).

Gespielt wird in drei Epochen. Die einzelnen Regionen sind unterschiedlich stark.

Gespielt wird in drei Epochen. Die einzelnen Regionen sind unterschiedlich stark.

Gespielt wird in drei Epochen. Nach der dritten Epochenwertung werden noch die Titelwertungsmarker abgerechnet. Wer danach die meisten Siegpunkte hat, ist Sieger.

So weit, so gut: Bis hierhin ist das Spiel eigentlich freundlich und ohne Heimtücke. Doch das ist mitnichten so! Denn spätestens Mitte der zweiten Epoche sind alle 29 Figuren auf dem Spielplan unter der Kontrolle der Spieler. JETZT fängt die Partie erst richtig an. Wir erinnern uns: Statt drei Karten zu Beginn des Zuges kann ein Spieler auch nur eine Länderkarte nehmen und eine Intrigenkarte. Um einem Spieler die Kontrolle eines Adeligen auf dem Spielfeld zu entreißen, benötigt ein anderer Spieler zusätzlich zu den geforderten Länderkarten noch eine passende Intrigenkarte. Und, oh Wunder, zu Beginn des Spiels werden quasi keine Intrigenkarten gezogen. Das ändert sich Mitte des Spiels schlagartig. Jetzt geht das Hauen und Stechen los. Während die erste Hälfte des Spiels also von der Sammelleidenschaft der Länderkarten geprägt ist, bestimmt das Gerangel um Einfluss in den Regionen und auf den Titelwertungsmarkern die zweite Hälfte des Spiels – zweifelsfrei die interessantere Spielhälfte. Lediglich die Könige können sich etwas sicherer fühlen. Um einen König zu entthronen, werden zwei Intrigenkarten benötigt. Ob das lukrativ ist, muss jeder Spieler selbst entscheiden. Immerhin bringt die Mehrheit bei den Königen 16 Siegpunkte. Dafür muss eine Oma lange stricken.

Royals ist bei Abacus Spiele erschienen und kostet rund 32 Euro

Royals ist bei Abacus Spiele erschienen und kostet rund 32 Euro

Fazit: Bisher war die Einordnung eines Spiels eigentlich immer leicht. Bei Royals ist das nicht unbedingt so. Ist es jetzt eher ein Familienspiel oder doch ein Kennerspiel? Ich weiß es nicht genau. Aufgrund der intrigenhaften zweiten Halbzeit neige ich dazu, es als Kennerspiel einzuordnen. Unabhängig davon ist es aber ein prima Spiel, das man auch als Ostergeschenk empfehlen kann. Der Mechanismus selbst ist wohl durchdacht und lässt sich ohne große Schwierigkeiten spielen.

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Spielbewertung für Royals von Peter Hawes

Schwierigkeit Spielspaß Spielreiz Spielgrafik
etwas knifflig hoch passt gelungen
Alter Spieler Spieldauer Spielpreis
ab 10 Jahre 2 – 5 60 min 32 Euro

Gesamturteil:
sterne_4_klein

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3 Gedanken zu „Royals – Ein Spiel mit zwei unterschiedlichen Hälften

  1. Mich erinnert ein ein wenig an eine aufgemotzte Version von Kardinal und König (Michael Schacht) – thematisch ganz ähnlich und auch der Spielmechanismus mit den Karten wurde dort bereits abgebildet. Das Intrigieren kann durchaus lohnend sein aus meiner Sicht. Gerad bei den dicken Figuren – kaum wird jemand eine Prinzessin oder einen König „zurückintegrieren“. Die Ausstattung finde ich sehr gelungen. Und auch das Abschätzen, auf welche Strategie man setzen will – schnell sammeln oder intrigieren – macht das Ganze eher zu einem Kennerspiel.

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