Von guten Drachen und bunten Schafen

Beim dem Titel stellt man sich eigentlich folgende Situation vor: Drachen fliegen umher und reißen in bester Game-of-Thrones-Manier die unschuldigen Schafe auf der Weide. Eine klassische Fehlannahme. In diesem Kartenspiel von Kosmos sind die Drachen die Guten – meistens jedenfalls. Die Fieslinge sind bei diesem Experten-Mau-Mau die Spieler!

In „Von Drachen und Schafen“ geht es darum, Schätze zu finden, wobei bauen eigentlich das bessere Verb ist. Die Währung sind nämlich verschieden farbige Schafe, die die Spieler sammeln. Für einen roten Schatz braucht man also vorwiegend rote Schafe. Damit ist das halbe Spiel erklärt: Schafe sammeln, Schätze auslegen. Doch so einfach ist das Spiel nicht. Da gibt es noch Magier, Einhörner, fiese Diebe und Ritter… aber der Reihe nach.

Das Spiel besteht aus 95 Karten. Die Rückseite der Karten bilden die bunten Schafe in fünf Farben. Auf der Vorderseite gibt es 40 Schätze, 10 Höhlen, 5 Schafjoker und 40 Aktionskarten. Ist ein Spieler an der Reihe, darf er sich je nach Spieleranzahl zwei oder drei Karten aus der Auslage – hier Weide genannt – ziehen. Die Karten liegen mit der Rückseite nach oben, sodass der Spieler zwar die Farbe der Schafe sieht, nicht aber, um welche Karte es sich handelt. Nach dem Karten ziehen darf der Spieler eine Schatzkarte/Höhle auslegen und/oder eine Aktionskarte ausspielen. Die Reihenfolge ist dabei beliebig. Passen geht natürlich auch.

Schatzkarten ausspielen

Die Schatzkarten haben unterschiedliche Farben und Werte. Je höher der Wert eines Schatzes, desto mehr Schafe muss ein Spieler für den Schatz abgeben. Einfache Schätze wie die Goldmünzen (Wert 1) verlangen beispielsweise nur zwei beliebige Schafe. Hochwertigere Schätze wie der Wunschbaum (Wert 7) erfordern zum Beispiel 3 Schafe einer Farbe plus 2 beliebige Schafkarten. Am Ende zählen die Werte der ausgespielten Schatzkarten als Siegpunkte. Statt einer geforderten Farbkarte kann ein Schafjoker abgelegt werden.

Diese formidable Auslage mit einer gelben Höhle und vier gelben Schätzen ist 27 Punkte wert

Diese formidable Auslage mit einer gelben Höhle und vier gelben Schätzen ist 27 Punkte wert

Anstelle einer Schatzkarte darf ein Spieler auch eine Höhle auslegen. Sie stellt eine Besonderheit dar. An diese Karte können bis zu vier Schatzkarten in der Höhlenfarbe angelegt werden. Je nach angelegter Kartenzahl können mit einer Höhle zusätzliche Siegpunkte erzielt werden (1, 3, 6, 10). Ein Spieler darf allerdings maximal zwei Höhlen ausspielen. Ein Beispiel: Ein Spieler hat eine rote Höhle mit drei roten Schatzkarten der Werte 3, 4 und 6 ausliegen. Zusammen sind die Karten 19 (13+6) wert.

Aktionskarten ausspielen

Die gute Nachricht zuerst: Schätze auf dem Tisch sind sicher. Das war es dann aber auch schon. Ansonsten kann alles Mögliche passieren. Es gibt sieben verschiedene Aktionskarten, die das Spiel beeinflussen – zum Guten oder Schlechten. Mit dem Ritter kann man einen Spieler aussetzen lassen. Zu Beginn des Spiels eher lästig, gegen Ende allerdings eine mächtige Waffe, um den in Führung liegenden Spieler daran zu hindern, das Spiel zu beenden. Der wütende Mob ist ebenfalls recht hässlich. Wird er ausgespielt, muss jeder Spieler die Hälfte seiner Handkarten abgeben. Der Dieb beschert dem auspielenden Akteur zwei Karten aus der Hand eines Spielers seiner Wahl.

Damit das Ganze nicht zu sehr ausufert, kann sich ein Spieler durch die Auslage eines Einhorns für eine Runde vor allen Angriffen schützen. Eine weitere Möglichkeit, einen Angriff zu unterbinden, ist das Ausspiel eines Drachens. Er verhindert jegliche Aktion. Dabei ist es egal, wer den Drachen als Schutzkarte spielt. Eine Einschränkung gibt es allerdings für die Drachen: Spielt jemand eine Aktionskarte in Kombination mit einem Zauberer, dann sind auch die Drachen machtlos. Eine Aktionskarte, die keinen Schaden anrichtet, ist die Hirtin. Mit ihr bekommt man zwei zusätzliche Karten vom Nachziehstapel. Ein positiver Lichtblick mit Beigeschmack: Denn auch diese Aktion kann mit einem Drachen unterbunden werden.

Das Spiel endet, sobald ein Spieler im Spiel zu zweit die 10. Schatzkarte auslegt. Bei drei Spielern endet das Spiel nach der 9. Karte, bei vier Spielern nach der 8. Schatzkarte.

Zur Strategie

Grundsätzlich gilt: Es ist immer gut, einen Drachen in der Hinterhand zu haben. Das Spiel lebt vom Verhältnis der Aktions- zu den Schatzkarten im Nachziehstapel. Zu Beginn des Spiels ist dieses Verhältnis ausgeglichen. Vor allem im Spiel zu viert ändert es sich jedoch relativ schnell, da sich die Schatzkarten und Höhlen auf dem Tisch tummeln und gleichzeitig sich die Aktionskarten im Nachziehstapel anreichern. Die Aktionskarten entfalten daher zu Beginn ihr volles Potenzial nur eingeschränkt. Trotzdem schmerzt es, aussetzen zu müssen. Gegen Ende des Spiel, wenn sich in den Handkarten der Spieler quasi nur noch Aktionskarten befinden, kann einen Spieler schon mal die volle Breitseite der Aktionskarten treffen, wenn er nicht rechtzeitig mit Drachen oder Einhörnern vorgesorgt hat. Die gefürchtetste Karte ist hierbei der Ritter. Denn: Aussetzen ist nicht nur echt öde, sondern man ist auch zum Zuschauen verdammt. Trifft einen diese Aktion in der entscheidenden Phase des Spiels mehrmals, hat man kaum eine Chance auf den Sieg. Ein ganz cleverer Zug ist es daher, nicht unbedingt in Führung zu liegen. So kann man dem Aktionskartengewitter der anderen Spieler entgehen und aus Position 2 oder 3 den Sieg anpeilen.

Fazit

Das Spiel Von Drachen und Schafen ist bei Kosmos erschienen und kostet etwa 10 Euro

Das Spiel Von Drachen und Schafen ist bei Kosmos erschienen und kostet etwa 12 Euro

Von Drachen und Schafen ist kein Kartenspiel für Weicheier. Die Spieler müssen für dieses Ich-ärgere-meine-Mitstreiter-Spiel schon aus etwas härterem Holz geschnitzt sein. Denn sonst kommt nach zehn Minuten die obligatorische Frage: „Wieso immer ich?“. Aber genau darin liegt der Reiz des Spiels von Nathanael Mortensen. Man muss nicht unbedingt immer der Erste sein, es reicht am Schluss die meisten Punkte auf dem Tisch zu haben. Damit verbunden – abgesehen vom Kartenziehglück – ist eine durchaus vorhandene taktische Komponente. Kosmos empfiehlt das Spiel zwar ab 9 Jahren, meiner Meinung nach schaden aber ein bis zwei Jahre mehr auf dem Kinderbuckel aufgrund des doch recht ungewöhnlichen Charakters einiger Aktionskarten nicht.

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Spielbewertung für Von Drachen und Schafen von Nathanael Mortensen

Schwierigkeit Spielspaß Spielreiz Spielgrafik
leicht hoch hoch sehr passend
Alter Spieler Spieldauer Spielpreis
ab 9 Jahre 2 – 4 45 min ca. 12 Euro

Gesamturteil:
sterne_4_5_klein

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Ein Gedanke zu „Von guten Drachen und bunten Schafen

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