Piraten stehen im Alter auf Grog-Island-Immobilien

Seit Jack Sparrow, ich meine natürlich Captain … Captain Jack Sparrow, wissen wir: Piraten haben ein anstrengendes Leben: Schiffe entern, Schätze sammeln, Küstenstädte brandschatzen. Was aber, wenn die müden Knochen nicht mehr mitmachen? Wohin mit der angehäuften Kohle? Bei den derzeitigen Zinsen scheidet das Sparbuch aus. Da bieten sich doch eigentlich nur Immobilien an. Und die gibt es für Rentnerpiraten auf Grog Island. Grog Island ist ein klassisches Bietspiel und recht einfach gestrickt. Wer das höchste Gebot abgibt, hat gewonnen. Nein, ein kleiner Scherz. So einfach ist es dann doch nicht. Der Sieger einer Bietrunde darf mehrere Aktionen ausführen. Doch auch die Spieler, die gepasst haben, gehen nicht leer aus. Für sie gibt es zunächst Waren. Anschließend darf man die Waren noch zum Handeln oder Bauen einsetzen. Passen ist also gar keine so schlechte Option!

Netter Bietmechanismus

Ein richtiger Sch...wurf. Hier sind Papageien-Karten gefragt. Sonst wird es teuer.

Ein richtiger Sch…wurf. Hier sind Papageien-Karten gefragt. Sonst wird es teuer.

Der Bietmechanismus ist recht clever. Der Startspieler würfelt mit fünf verschieden farbigen Würfeln und legt die Würfel auf den dafür vorgesehenen Plätzen ab. Darüber befinden sich fünf Aktionsfelder. Der Spieler kann jetzt ein Gebot abgeben. Dazu nimmt er sich beliebig viele der fünf Würfel und legt diese der Augenzahl nach sortiert, links beginnend auf die Aktionsfelder ab. Hört sich kompliziert an, ist es aber nicht. Ein Beispiel: Der Startspieler würfelt folgende Augenzahlen: Grün 1, Blau 5, Orange 1, Gelb 4 und Grau 3. Sein Startgebot beträgt 6 Münzen. Dazu legt er den gelben Würfel mit der 4 auf das erste Aktionsfeld ganz links. Anschließend nimmt er den orangenen Würfel mit der 1 und dann den grünen Würfel mit der 1. Da beide Würfel die gleiche Augenzahl zeigen, kann der Spieler die Reihenfolge beliebig wählen. Damit liegen jetzt drei Würfel auf den ersten drei Aktionsfeldern. Die beiden letzten Felder sind frei. Der nächste Spieler muss jetzt ein höheres Gebot abgeben. Er legt den gelben Würfel auf seinen Platz zurück und nimmt stattdessen den blauen Würfel mit der 5 und bietet jetzt 7 Münzen. So geht es weiter. Passt ein Spieler, erhält er je eine Ware der aktuell eingesetzten Würfelfarben. Er führt sofort eine Handelsaktion mit einem der fünf nutzbaren Händlerschiffe (insgesamt gibt es sechs, doch ein Schiff ist immer auf hoher See) durch. Eventuell kann er noch ein Gebäude auf Grog Island bauen – dazu werden aber vier Rohstoffe einer Farbe benötigt (3:1-Tausch möglich).

Am Ende bleibt der Spieler mit dem höchsten Gebot übrig. Er muss jetzt die entsprechenden Münzen bezahlen und darf die besetzten Aktionen in der Farbe des jeweiligen Würfels durchführen. Auf den ersten beiden Feldern darf der Spieler auf der entsprechenden Halbinsel ein Gebäude bauen. Der 3. und 5. Aktionsplatz bringt direkt einen Siegpunkt. Mit der Schlossaktion auf dem 4. Aktionsplatz kann der Spieler ein beliebiges Gebäude auf der Halbinsel in der Würfelfarbe für den Rest des Spiels sperren. Zurück zu unserem Beispiel: Ein Spieler hat Gelb 4, Grau 3, Orange 1 und Grün 1 geboten und die Bietphase damit gewonnen. Zunächst gibt er 9 Münzen ab (Münzenleiste und Truhenkarten). Danach baut er zwei unterschiedliche Gebäude auf der gelben und grauen Halbinsel und erhält dafür die entsprechenden Boni. Für den orangenen Würfel erhält der Spieler direkt einen Siegpunkt. Mit der Schlossaktion sperrt er auf der grünen Halbinsel ein Gebäude.

Papageien-Karten bringen Schwung ins Spiel

Damit ist das Spiel zum Großteil erklärt, ein paar Details gibt es aber noch. Da wären zum Beispiel die Papageien-Karten. Es gibt zwei Sorten dieser Karten. Auf der einen Sorte ist ein querliegender Daumen. Wer diese Karte in seinem Zug ausspielt, hält das Gebot des vorherigen Spielers. Er muss also nicht erhöhen. Außerdem gibt es unter den Papageien-Karten bunte Würfelkarten. Wer eine dieser Karten ausspielt, kann den Wert des Würfels in der ausgespielten Farbe beliebig einstellen. Diese Karten können ganz schön für Verwirrung sorgen. Auch hierzu bleiben wir bei unserem Beispiel: Ein Spieler hat Gelb 4, Grau 3, Orange 1 und Grün 1 gelegt. Also insgesamt 9. Der nächste Spieler hat nur 10 Münzen. Clever spielt er eine blaue Papageien-Würfelkarte aus und macht aus der blauen 5 eine 1. Jetzt bietet er 10, die er auch bezahlen kann. Pech, wenn der andere Spieler eine Daumenkarte hat und ebenfalls 10 bezahlen kann.

Neben den Papageien-Karten sind noch Truhenkarten und Zielkarten mit von der Partie. Die Truhenkarten sind schnell erklärt. Auf ihnen sind 1 bis 3 Münzen abgebildet. Sie stellen somit einen verdeckten Reichtum – im Vergleich zur Münzenleiste – in der Bietrunde dar. Die Zielkarten bringen am Ende Siegpunkte. Sie sind – wenn man es genau nimmt – eigentlich die Hauptquelle für Siegpunkte. Es gibt vier Arten von Zielkarten: Punkte für Gebäude, für Rohstoffplättchen, für Papageien-Karten und Gebäudemehrheiten auf einer Halbinsel.

Wer passt, bekommt Rohstoffe und darf mit einem Schiff handeln und/oder ein Gebäude bauen.

Wer passt, bekommt Rohstoffe und darf mit einem Schiff handeln und/oder ein Gebäude bauen.

Bleibt noch eine Frage zu klären: Wie kommt man an den ganzen Kram? Und da wären wir wieder beim Passen. Wer passt, darf wie gesagt mit einem der fünf Handelsschiffe handeln. Er gibt seine Rohstoffplättchen ab und darf dafür einmal oder mehrmals die Aktion des Schiffes durchführen. Hier gibt es Geld, Papageien-Karten, Truhenkarten oder Zielkarten. Wer also einen großen Haufen einer Rohstoffplättchensorte besitzt, kann es hier richtig krachen lassen. Denn: Man darf beliebig viele Gebäude in Besitz nehmen! Leider nur in der Farbe des ausgesuchten Handelsschiffes. Kann aber ganz praktisch sein, wenn man die Zielkarte „Gebäudemehrheiten“ in dieser Farbe hat.

Fazit

Grog Island ist ein recht abwechslungsreiches Spiel, das man allerdings lesen muss. Das ist jedoch nicht besonders schwierig, sodass das Spiel als klassisches Familienspiel durchgeht. Das Spiel sollte man ein paar Mal spielen, um ein Gefühl für die wahre Macht der Papageien-Karten zu bekommen. Denn das Spiel lebt natürlich ein bisschen davon, wie die Spieler die Papageienkarten einsetzen und damit die Würfel in der Bietrunde manipulieren. Das Manipulieren wiederum ist eine hohe Piratentugend, warum das Thema des Spiels sehr stimmig ist und das Spiel von Michael Rieneck insgesamt als recht gelungen bezeichnet werden kann.

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Spielbewertung für Grog Island von Michael Rieneck

Schwierigkeit Spielspaß Spielreiz Spielgrafik
leicht echt hoch hoch piratenmäßig gut
Alter Spieler Spieldauer Spielpreis
ab 10 Jahre 2 – 4 40 – 75 min ca. 33 Euro

Gesamturteil: sterne_4_klein

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Ein Gedanke zu „Piraten stehen im Alter auf Grog-Island-Immobilien

  1. Pingback: Einmal quer durch Touria | The Board Game Journal

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