Ein Wolf im Schafspelz

Charles Darwin wusste es sofort, nachdem er seine These über die Evolution entwickelt hatte – nur die Stärksten überleben. Oder anders formuliert: Bist Du nicht groß genug, fressen Dich die anderen. Genau so funktioniert das Spiel Evolution aus dem Hause Schmidt. Was mit friedlicher Koexistenz beginnt, entwickelt sich nach kurzer Zeit zu einem harten Überlebenskampf. Das Spiel ist ein echter Wolf im Schafspelz.

Am Wasserloch gibt es Grünfutter für die Pflanzenfresser in Evolution

Am Wasserloch gibt es Grünfutter für die Pflanzenfresser in Evolution

Nicht umsonst heißt es in der Unterzeile des Spiels: „Fressen und gefressen werden.“ Damit ist klar:  Bei Evolution handelt es sich nicht um ein Familienspiel für Kinder. Evolution ist ein hartes Spiel, bei dem fremde Tierarten gemeuchelt werden, um zu gewinnen. Letztendlich geht es darum, möglichst viele Fresschips in sein Säckchen zu bekommen.

Sitzen am Tisch nur Alt-68er, deren Motto „Love and Peace“ lautet, könnte es eine friedliche Partie werden – die dann aber auch ziemlich langweilig ist. Denn: Das Spiel lebt vom Nahrungsmangel und davon, seinen Tierarten möglichst die richtigen Eigenschaften mit auf den Überlebensweg zu geben und sich zu spezialisieren. Eben: Fressen, bevor es die anderen tun. Die Eigenschaften, mit denen ein Spieler seine Tierarten ausrüsten kann, sind – jede für sich genommen – nicht besonders schwierig einzusetzen. Da gibt es Angriffskarten, Schutzkarten und Fresskarten. Das Problem dabei, die Karten beziehen sich nicht nur auf eine Tierart, sondern auch auf benachbarte eigene Tierarten. Und genau an dieser Stelle wird es kompliziert: Wie kombiniere ich die Karten und Tierarten möglichst sinnvoll? Einsteiger werden sich daher mit Evolution erstmal schwer tun. Und kommen dann die Fleischfresser auf die evolutionäre Bühne, prost Mahlzeit!

Ein Spiel mit Friß-oder-stirb-Charakter

In der Tischmitte liegt bei Evolution die Wasserstelle. Zu Beginn jeder Runde spielen die Akteure eine Karte, deren Ziffer das selbstbestimmte Nahrungsangebot verkörpert. Anschließend können die Eigenschaften der Tiere angelegt werden, jedoch maximal 3 pro Tierart. Durch Abwerfen von Karten kann ein Spieler zusätzliche Tierarten erhalten, eine Tierart wachsen lassen oder die Population einer Tierart erhöhen. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden alle Karten verdeckt gespielt. Jetzt kommt das große Fressen: Alle ausgespielten Karten werden nun aufgedeckt, die Nahrungschips auf das Wasserloch verteilt. Beginnend beim Startspieler füttern die Spieler reihum ihre Tiere, indem sie einen Nahrungschip aus dem Wasserloch nehmen. Dieser Vorgang wird so lange wiederholt, bis alle Tiere satt oder keine Nahrungschips mehr vorhanden sind. Konnte eine Tierart dabei nicht genug Nahrung aufnehmen, muss die Population entsprechend der vorhandenen Nahrungschips korrigiert werden. Ist beispielsweise die Population 3, die Tierart hat aber nur zwei Nahrung, stirbt ein Tier dieser Gattung. Sinkt die Population einer Tierart auf 0, ist die Tierart ausgestorben.

Fleischfresser mögen kein Grünzeug

Raubtieren fressen niemals am Wasserloch. Sie begehren das Fleisch anderer Tierarten. Doch so einfach ist das mit dem Fressen für die Raubtiere nicht. Ein Fleischfresser muss immer größer sein, als seine Beute. Außerdem muss er die Verteidigungsfähigkeiten seiner Beute überwinden. Kann eine Tierart beispielsweise auf Bäume klettern, muss der Räuber dies auch können, sonst kann er diese Tierart nicht erlegen. Es macht also nur wenig Sinn, eine kleine Tierart zum Räuber weiterzuentwickeln, denn nur die großen Räuber können ordentlich Nahrungschips sammeln.
Taucht der erste Fleischfresser in Evolution auf, beginnt ein Rennen um die Größe der Tierart. Taucht gar eine zweite Raubtierart in beträchtlicher Größe auf, wird das Leben der Pflanzenfresser ziemlich unerträglich. Es soll schon Partien gegeben haben, die vor dem Ende abgebrochen wurden, weil die Pflanzenfresser von den Raubtieren demontiert wurden und nur noch als Futter für die Raubtiere gedient haben. So eine Partie Evolution kann einem Nicht-Raubtier-Spieler den Spaß an dem Spiel richtig verderben.

Fazit

Wer es bei Evolution schafft, eine richtig gute Tierarten-Eigenschaften-Kombi zum Laufen zu bringen, dem fliegen die Nahrungschips und damit die Siegpunkte nur so zu. Vor allem, wenn es sich um einen Fleischfresser handelt. Auf jeden Fall lohnt es sich, vor dem ersten Spiel die taktischen Tipps auf der letzten Seite der Spielanleitung zu lesen. Sie vermitteln in etwa auch, wie das Spiel funktioniert. Das Fressen und Gefressen werden selbst geht relativ zügig voran. Schmidt Spiele gibt die Spielzeit mit 45 Minuten an, wobei man mit Anfängern und bei fünf Spielern etwas mehr Zeit einplanen sollte. Trotz aller Widrigkeiten, die das Spiel so bietet, ist die Umsetzung des Themas gut gelungen.

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Spielbewertung für Evolution von Dominic Crapuchettes, Dmitry Knorre und Sergey Machin

Schwierigkeit Spielspaß Spielreiz Spielgrafik
durchaus komplex niedrig-hoch mittel-hoch ungewöhnlich
Alter Spieler Spieldauer Spielpreis
ab 10 Jahre 2 – 5 45 min ca. 30 Euro

Gesamturteil:

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Ein Gedanke zu „Ein Wolf im Schafspelz

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