Eine Idee, viele Ableger

Was haben Panguingue, Tryce und Okey gemeinsam? Keine Idee? Es sind Ableger von Conquian. Sagt Euch immer noch nichts? Mir hat es auch nichts gesagt, bevor ich zum Spiel Level 8 von Ravensburger etwas recherchiert habe. Conquian ist sozusagen das Ur-Rommé, das um 1890 in Mexiko als Zweierspiel entstanden ist. Alles andere sind Derivate, wie es so schön Neudeutsch heißt.

Panguingue aus Mexiko gilt als der Ur-Vater des Rommé. Tryce und Okey (unten) sind Varianten dieses Spiels.

Panguingue aus Mexiko gilt als der Ur-Vater des Rommé. Tryce und Okey (unten) sind Varianten dieses Spiels.

Rommé-Spiele haben also eine lange Tradition. Oder einfacher gesagt, die Idee ist nicht neu. Dementsprechend gibt es zahlreiche Varianten dieses Kartenspiels. Wer es klassisch mag, nimmt zwei 52er-Kartenblätter und legt los. Wem dies nicht sportlich genug ist, kann beispielsweise auf Rummikub umsteigen. Dort darf man nicht nur die Joker ersetzen, sondern auch noch gleich die komplette Auslage umsortieren. 1982 wurde schließlich von Kenneth Johnson das Kartenspiel Phase 10 erfunden. 1986 von Fundex Games in den USA veröffentlicht wurde das Spiel dort zum Bestseller. 2010 verkaufte Fundex Games das Spiel an die Firma Mattel, bei der Phase 10 nun seine Heimat hat. In Deutschland wurde Phase 10 im Jahre 1995 von F.X. Schmid veröffentlicht. Nachdem F.X. Schmid von Ravensburger übernommen wurde, erschien das Spiel 1998 unter dem Label FX erneut und 2001 schließlich nur noch unter dem Verlagsnamen Ravensburger. Das Spiel ist nach Uno das zweitbestverkaufte Kartenspiel der Welt. Es wurden mittlerweile über 30 Millionen Spiele verkauft, wobei derzeit jährlich knapp 3 Millionen Spiele über den Ladentisch gehen.

Phase 10 ist nach Uno das meistverkaufte Spiel weltweit

Phase 10 ist nach Uno das meistverkaufte Spiel weltweit

Ein Spiel, das die Idee von Phase 10 aufnimmt, ist Level 8. Zunächst erschienen bei Piatnik im deutschsprachigen Raum, ist das Spiel im Juli diesen Jahres zu Ravensburger gewechselt. Die Transfersumme ist mir nicht bekannt, liegt aber sicherlich deutlich unter der von Paul Pogba.

Karten-Sammel- und Ablegespiel
Bei Level 8  geht es Schritt für Schritt dem Sieg entgegen. Nur wer die geforderten Kombinationen aus Zahlen und Farben wie z.B. „2 Dreierfolgen“ oder „1 Zwilling + 2 Drillinge“ seines aktuellen Levels auslegt, kommt nach Ende des Durchgangs eine Stufe weiter. Für Kartennachschub sorgt nicht nur der eigene Ablagestapel und der verdeckte Nachziehstapel – es dürfen auch Karten von den offenen Ablagestapeln der Mitspieler stibitzt werden, um die Aufgabe schneller zu erfüllen. Der Spieler, der noch dazu seine übrigen Handkarten als Erstes los wird, überspringt als Bonus einen Level.

Level 8 ist im Juli bei Ravensburger erschienen

Level 8 ist im Juli bei Ravensburger erschienen

Damit sind die Regeln auch schon erklärt. Das Spiel ist einfach zu erlernen und macht daher entsprechend Spaß. Wem nach dreimal spielen die Levels langweilig werden, kann auf die Rückseite der Levelkarten umsteigen. Die Levels sind etwas anspruchsvoller. Wer es noch etwas komplizierter wünscht, kann auf die Master-Variante von Level 8 umsteigen. Hier gibt es weitere Zusatzkarten, die das Spiel variabler und schwieriger machen. So gibt es statt der generellen Joker nur noch solche, die für einen bestimmten Punktebereich gelten (1-5, 6-10, 11-15).

Meine Meinung

Rommé, Conquian, Rummikub, Phase 10 oder Level 8: Wem das Rommé-Spielprinzip Spaß macht, hat an allen Spielen seine Freude. Bleibt die Frage, ob Phase 10 oder Level 8 in den Spieleschrank gehört. Ich denke, entweder oder. Beide Spiele sind sich zu ähnlich, als dass man unbedingt beide besitzen müsste. Wer also eines von beiden Spielen sein eigen nennt, ist gut versorgt. Wer keines von beiden hat, sollte sich auf jeden Fall eines der beiden Spiele besorgen. Die Entscheidung für einen der beiden Kontrahenten ist dann eher eine Frage des Geschmacks. Grafisch macht Level 8 etwas mehr her.

Vielen Dank an Ravensburger für ein Rezensionsexemplar von Level 8 und Level 8 Masters

Level 8 bei Amazon erwerben

Spielbewertung für Level 8 und Level 8 Masters (in Klammern)

Schwierigkeit Spielspaß Spielreiz Spielgrafik
leicht (schwieriger) hoch hoch passt zum Spiel
Alter Spieler Spieldauer Spielpreis
ab 8 (10) Jahre 2 – 6 45 (60) min beide je 10 Euro

Gesamturteil:

sterne_4_klein

 

Advertisements

Kleine Brötchen schmecken auch gut

Auf der letzten Spiel hat 2F-Spiele ein richtig fettes Brötchen gebacken und verblüffte die Gamer mit dem Spiel 504. Der Name war dabei Programm: 504 Spiele in einer Schachtel. Dieses Jahr sind die Brötchen etwas kleiner, zumindest was die Anzahl der Spiele pro Schachtel angeht. Friedemann Friese und Henning Kröpke präsentieren diesmal drei Neuheiten und ein Schmankerl zur Spiel 2016.

In Fabelsaft machen die Spieler als Tiere Jagd nach schmackhaften Tränken

In Fabelsaft machen die Spieler als Tiere Jagd nach schmackhaften Tränken

Fabelsaft – Es war einmal ein wunderschöner Wald voller herrlicher Früchte. Diese Früchte ließen sich zu den leckersten Säften pressen und mischen. Die Spieler schlüpfen Fabelsaft in die Rolle von Tieren in diesem Wald und begeben sich auf der Suche nach den schmackhaftesten Fabelsäften. Hilfsbereite Waldbewohner helfen dabei. Sie geben euch Früchte, tauschen diese mit euch oder helfen euch auf anderem Wege. Ihr seid gierig und durstig. Wer stillt sein Verlangen nach den Fabelsäften als Erster?

Fabelsaft ist ein Fabel-Spiel, in dem sich die Spielaktionen im Laufe der Zeit ändern. Ihr beginnt die erste Partie mit sehr einfachen Aktionen. Schritt für Schritt lernt ihr immer neue Aktionen kennen und erlebt dabei, wie sich das Spiel laufend verändert. Diese Änderungen sind aber nicht dauerhaft. Das Spiel eignet sich für 2 bis 5 Spieler ab 8 Jahren und kostet 28 Euro. Die Spieldauer beträgt etwa 15 Minuten.

Futschikato dauert etwa 15 Minuten und kostet 8 Euro

Futschikato kostet 8 Euro

Futschikato – In Futschikato versuchst du als Erster alle deine Karten loszuwerden. Verbünde dich mit einigen Mitspielern und schlagt die Karten der anderen. Oder spiele selber die höchste Karte, um alle Mitspieler mit einem „Futschikato“ zu ärgern.
Als Nachfolger des erfolgreichen Fünf Gurken bietet Futschikato mit einfachsten Spielregeln maximalen Spielspaß für 3 bis 8 Spieler am 7 Jahren. Das Spiel dauert etwa 15 Minuten und kostet 8 Euro.

Funkenschlag: Das Kartenspiel  – Nach dem erfolgreichen Brettspiel jetzt also das Kartenspiel. Als Firmenchefs mächtiger Energiekonzerne produziert ihr Strom. Während des Spiels bietet ihr um Kraftwerke und versorgt sie mit Rohstoffen. Euer Einkommen ist von der Strommenge abhängig, die ihr in jeder Runde produziert. Am Ende des Spiels gewinnt derjenige mit der größten Stromproduktion.

Funkenschlag gibt es jetzt auch als Kartenspiel

Funkenschlag gibt es jetzt auch als Kartenspiel

Das Kartenspiel bietet euch all die Spannung und Taktiken der großen Brüder Funkenschlag und Funkenschlag deluxe, ohne dass ihr die verschiedenen Spielpläne benötigt. Ihr erfahrt die gesamten Funkenschlag-Emotionen in intensiven 60 Minuten Spielzeit! Für 2 Spieler beinhaltet das Spiel die aus Funkenschlag deluxe bekannten Spielregeln für den „Großen Konzern“. Im Wettstreit um den Sieg müssen dessen Machenschaften mit in die Planungen einbezogen werden, um den Sieg gegen den Mitspieler zu erringen.
Das Spiel beinhaltet auch die Variante „Der Abrissunternehmer“, die mit Funkenschlag: Das Kartenspiel sowie den Brettspielen Funkenschlag deluxe und Funkenschlag mitsamt allen Erweiterungen spielbar ist!
Das Spiel eignet sich für 2 bis 6 Spieler ab 12 Jahren und kostet 18 Euro.

Funkenschlag: Gleichstrompassage HGÜ Korridor C  – In Deutschland wird in den nächsten Jahren eine neue Stromtrasse von Nord- nach Süddeutschland geplant, um den in der Nordsee mit Windkraft produzierten Strom in die Bedarfsgebiete in Süddeutschland zu transportieren.

Schmankerl für Spiel-Besucher: die Minierweiterung gibt es für einen Euro am 2F-Stand

Schmankerl für Spiel-Besucher: die Minierweiterung gibt es für einen Euro am 2F-Stand

In dieser Mini-Erweiterung baut ihr nun diese Stromtrasse, sodass eure Stromkonzerne im Laufe des Spiels Stück für Stück keine Verbindungskosten mehr zwischen Cuxhaven und Stuttgart zahlen müssen. Leider wird der Bau der Stromtrasse durch Steuergelder finanziert, sodass ihr nun für die Stromversorgung der Städte Steuern zahlen müsst.

Die Mini-Erweiterung Gleichstrompassage HGÜ Korridor C kann nur mit einem Exemplar von Funkenschlag auf dem Spielplan »Deutschland« gespielt werden und ist dieses Jahr exklusiv am Messestand von 2F-Spiele in Essen (Halle 3-M106/M108) für eine Spende von mindestens 1 Euro für einen guten Zweck erhältlich. Die Erweiterung war letztes Jahr bereits im Adventskalender 2015 von Frosted Games erschienen.

Tief im Dungeon schläft der Drache

Crowdfunding-Spiele liegen seit ein paar Jahren voll im Trend. Dabei ist erstaunlich, welche Geldsummen dabei zustande kommen. Auch Dungeon Roll ist so ein Beispiel: 15.000 $ wurde zur Realisierung des Spiels benötigt, letztendlich kamen 250.000 $ zusammen. 2013 hatten über 10.000 Spieler das Spiel im Sack gekauft. Pegasus Spiele hat Dungeon Roll 2014 in Deutschland auf den Markt gebracht. Im Frühjahr dieses Jahres kam ein Erweiterungspack zum Spiel. Wir haben das Spiel getestet.

Dungeon Roll von Chris Darden ist ein einfaches Fantasy-Würfelspiel, das man am besten zu zweit spielt

Dungeon Roll von Chris Darden ist ein einfaches Fantasy-Würfelspiel, das man am besten zu zweit spielt

Als erstes fällt bei Dungeon Roll die Verpackung auf – eine schön gestaltete Schatztruhe. Die Schachtel beinhaltet das ganze Spiel inklusive Anleitung und eignet sich aufgrund ihrer handlichen Größe hervorragend als Mitbringspiel. Zum Spielinhalt gehören 7 weiße und 7 schwarze Würfel, ein paar Charakterkarten, ein paar Schätze und Erfahrungsmarker. Zu Beginn des Spiels wählt sich jeder Spieler einen Charakter aus. Im Grundspiel gibt es 8 Charaktere (……), der Erweiterungspack enthält noch einmal 12 heldenhafte Gestalten. Jeder Charakter besitzt zwei Fähigkeiten, die er unterschiedlich einsetzen kann.

Gespielt wird in drei Durchgängen. Wer nach den drei Durchgängen die meisten Erfahrungspunkte gesammelt hat, gewinnt das Spiel. In jedem Durchgang kämpft sich ein Held durch das Dungeon, beginnend auf Ebene 1 bis maximal zur Ebene 10. Für jede Ebene gibt es einen Erfahrungspunkt. Bevor ein Spieler eine neue Ebene betritt, kann er entscheiden, ob er aufhört oder weitermacht. Hört ein Spieler auf und zieht sich aus dem Dungeon zurück, erhält er die Punkte für die aktuelle Ebene. Nimmt er das Risiko eines neuen Levels auf sich und scheitert er, sind alle Punkte futsch. Es gilt also immer abzuschätzen, was noch geht.

Quadratisch, praktisch, gut. Das ganze Spiel ist in der handlichen Schatztruhe verpackt

Quadratisch, praktisch, gut. Das ganze Spiel ist in der handlichen Schatztruhe verpackt

Bevor ein Spieler das Dungeon betritt, würfelt er die sieben weißen Würfel. Sie stellen die Heldentruppe dar, die sich durch das Dungeon kämpft. Auf den Würfeln gibt es Krieger, Priester, Zauberer, Diebe, Champions (wahre Helden) und Zauberschriftrollen. Die einzelnen Rollen haben auf Monsterseite einen Lieblingsgegner, d.h., sie zerstören alle Monster einer Sorte. Trifft ein Abenteurer auf andere Monster, kann er nur jeweils eines besiegen.

Auf den Monsterwürfeln gibt es drei verschiedene Monster – Skelette, Schleimwesen und Kobolde -, den Drachenkopf sowie einen Trank und eine Schatzkiste. Die Monster gilt es schlichtweg zu besiegen. Wird ein Drachenkopf gewürfelt, kommt dieser in die Drachenhöhle. Sind dort am Ende der Runde mindestens drei Drachenköpfe, erscheint der Drache. Um ihn zu besiegen, sind drei verschiedene Helden notwendig. Tränke bringen verbrauchte Helden zurück, Schatztruhen bringen zusätzliche Vorteile oder Erfahrungspunkte.

Auf Ebene 1 steht der Abenteurergruppe 1 schwarzer Würfel gegenüber, auf Ebene 2 sind es 2 schwarze Würfel, auf Ebene 3 … Je höher das Level, desto schwieriger wird es. Vor allem deswegen, weil es immer weniger Helden werden, die ein neues Level stürmen. Ein Held, der ein oder mehrere Monster besiegt, ist derart erschöpft, dass er nicht weiterkämpfen kann. Er kommt auf das Ablagefeld. Dort sammeln sich im Laufe eines Durchganges die Würfel. Wer Pech hat und gegen viele unterschiedliche Monster kämpfen muss, verbraucht seine Helden relativ schnell. Manchmal kann bereits nach dem 3. Level Schluss sein. Werden dagegen viele gleiche Monster, Truhen und Tränke gewürfelt, geht es locker Richtung Level 7 oder 8.

Jeder Spieler besitzt in Dungeon Roll einen Charakter, den man mit Erfahrungspunkten upgraden kann

Jeder Spieler besitzt in Dungeon Roll einen Charakter, den man mit Erfahrungspunkten upgraden kann

In unseren Testrunden hat sich gezeigt, dass es am Ende recht eng zugeht. Jeder Erfahrungspunkt kann den Sieg bringen. Tränke sind daher extrem wichtig. Sie geben erschöpften Kempen wieder Kraft. Ein Trank ist dabei leider etwas witzlos, denn um ihn zu aktivieren muss man einen seiner weißen Würfel abgeben. Also einen abgeben und einen zurückbekommen ist nur ein Austausch –  kann aber mal wichtig sein. Interessant wird es, wenn mehr als ein Trank in der Auslage liegt (eventuell kann man noch ein passendes Schatzplättchen mit in den Ring werfen). Dann gibt ein Spieler einen Würfel ab und erhält mehrere Würfel zurück. Dieses Geschäft lohnt sich. Lohnen tut sich auch der Einsatz von Schriftrollen. Mit ihrer Hilfe darf man beliebig viele Würfel erneut würfeln – schwarze wie weiße.

Während man sich durch die Dungeonebenen kämpft sollte man immer seine Fähigkeiten im Auge behalten. Manchmal hilft die ultimative Fähigkeit sich aus einer ausweglosen Lage zu retten.

Meine Meinung

Dungeon Roll ist ein einfaches Fantasywürfelspiel, bei dem man trotzdem recht gut taktieren kann. Der aktive Spieler ist permanent in der Entscheidungspflicht. Welche Würfel nehme ich? Welches Schatzkärtchen kann ich einsetzen? Lohnt es sich, die Fähigkeit eines Charakters einzusetzen? Dieses ständige Grübeln gibt dem Spiel seinen Reiz, erhöht allerdings auch die Spieldauer. Da relativ wenig Interaktion zwischen den Spielern herrscht – wenn man es ganz genau nimmt, eigentlich keine – ist eine Partie Dungeon Roll bei vier Spielern recht zäh. Am besten hat mir das Spiel zu zweit gefallen. Einer streift durch das Dungeon, der andere würfelt die Gegner dazu. Auch als Solospiel ist es einigermaßen passabel, hier geht man eben auf die Jagd nach dem eigenen Highscore.

Insgesamt weiß Dungeon Roll zu gefallen, sowohl von der Ausstattung als auch vom Spielmechanismus her. Die neuen Karten bringen zwar nochmals etwas Abwechslung ins Spiel, was die handelnden Personen angeht, richtig neue Spielelemente gibt es leider nicht. Zu zweit ist das Spiel recht kurzweilig, zu dritt geht es so, zu viert wird es zäh. Aufgrund der Größe ist es prima für unterwegs, aber auch mal für Zwischendurch. Als 2er-Spiel gebe ich 4 Sterne, als 4er-Spiel 2 Sterne aufgrund der geringen Interaktion der Spieler untereinander. Zwei Spieler können einfach immer komplett abschalten und sind nicht beteiligt. Das führte bei unseren 4er-Spielen zu einem ständigen Kommen und Gehen am Tisch. Daher insgesamt nur 3 Sterne.

Dungeon Roll bei Amazon erwerben

Spielbewertung für Dungeon Roll von Chris Darden

Schwierigkeit Spielspaß Spielreiz Spielgrafik
leicht 2er gut, 4er mäßig mittel sehr schön
Alter Spieler Spieldauer Spielpreis
ab 8 Jahre 1 – 4 15 – 45 min rund 17 Euro

Gesamturteil:

sterne_3_klein

Das Wandern ist des Pokemonjägers Lust

Wer durch die Straßen der Städte läuft, dem fallen die vielen jungen Leute auf, die an ihrem Handy ein Kabel zur Hosentasche mit der darin steckenden Powerbar haben. Für einen normalen Handynutzer eigentlich überflüssig, für einen Pokemon-Go-Spieler unersetzlich. Die Hersteller von Powerbars freut’s. Die Geräte finden reißenden Absatz. Der Grund dafür: Die Pokemon-Go-App hat sich als wahrer Stromfresser erwiesen. Auch zu meinem Leidwesen.

Die Kids finden die App einfach klasse. Und auch die Eltern freut es, dass ihre Kinder – meist stubenhockende PC-Junkies, die nichts anderes kennen als Minecraft – endlich mal wieder den Weg an die frische Luft finden. Die Entwickler der App können stolz auf sich sein: Um Eier auszubrüten, fressen die Kinder die Kilometer zu Fuß wie im Rausch. Runter von der Couch, rein in die Natur.

Doch auch die Älteren hat die App infiziert. Ich muss zugeben, mich auch. Und für uns ältere Herrschaften hält die App ja auch einige wirklich praktische Überraschungen bereit. Man läuft zu Fuß zur Kneipe mit dem Pokestop, aktiviert diesen und schlürft in aller Ruhe sein Viertele, während man darauf wartet, dass das Handy vibriert und ein Pokemon erscheint. Ich finde, eine sehr angenehme Art, um auf die Jagd zu gehen. Das kannten unsere Vorfahren anders. Biergärten und Kneipen mit einem Pokestop erfreuen sich somit hoher Beliebtheit und schwelgen im zusätzlichen Umsatz.

Und die App betreibt auch Familienzusammenführung: Kinder und Eltern haben auf einmal ein gemeinsamen Hobby entdeckt. Zusammen wird durch die Straßen gezogen und Jagd auf Taubsi, Rattfratz und Co. gemacht. Und am Sonntagnachmittag finden mittlerweile ganze Familienausflüge statt. Mit Sack und Pack geht es zu einem Platz mit mehreren Pokestops. Diese werden aktiviert und schon geht das muntere Pokemonfangen auf der Picknickdecke los. Bei Kaffee und Kuchen oder auch einer kühlen Hopfenkaltschale verbringt man so den Nachmittag an der frischen Luft.

Geocaching ohne Chance

Erstaunlich allerdings finde ich, dass sich Pokemon-Go derart schnell verbreitet hat, während Geocaching – trotz großen Anhangs – sein Dasein fristet. Dabei ist Geocaching doch nichts anderes, vielleicht nur etwas realer und bodenständiger. Wenn ich vor ein paar Wochen zu meinem Kind gesagt hätte „Wir gehen Geocachen“, hätte ich nur ein müdes Lächeln bekommen. Dieser Fakt hat sich um 180° gedreht. Ein Wort von Pokemon und schon steht das Kind in der Tür und will Monster suchen. Eine großartige Wandlung.

Bei all diesen positiven Eigenschaften fallen doch die paar negativen Auswirkungen nicht auf. Als Autofahrer sollte man allerdings derzeit erhöhte Aufmerksamkeit walten lassen – sonst ziert ein Pokemonjäger schnell mal die Motorhaube. Auch wer einen Pokestop im Garten hat, wird nicht „amused“ sein, wenn eine schreiende Horde Jugendlicher vor seinem Grundstück herumlungert. Doch hier ist Linderung in Sicht. Wenn es Winter wird, wird bei der Pokemon-Fangemeinde der Freiluftdrang relativ schnell nachlassen.

Neue Features

Niantic Labs hat ein erstes Update für das Augmented-Reality-Spiel Pokémon Go ausgerollt. In den neuen Versionen 0.31.0 (Android) und 1.1.0 (iOS) sind einige neue Funktionen sowie Bugfixes enthalten. So können Spieler nun das Aussehen ihrer Trainer-Avatare auch nachträglich noch ändern. Auch an der Schadensberechnung bei Wettkämpfen haben die Entwickler gedreht. Zudem soll die bisher in Schritten angegebene Entfernung zu Pokémons in de Nähe wegen zu großer Ungenauigkeiten entfallen.

Die App-Entwickler und Nintendo sind unterdessen gegen die Anbieter von Pokémon-Trackern vorgegangen, die alle Pokemons in der Umgebung auf einer Straßenkarte angezeigt haben. Die Anbieter sollen Abmahnungen mit Unterlassungsforderungen erhalten haben. PokeHound und PokeVision sind offline, Poké Radar funktioniert noch.

Zum Schluss

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt allerdings: Unter der ganzen Pokemon-Jagerei leidet zurzeit das Brettspiel und damit auch die Rezensionsschreiberei. Doch ich gelobe Besserung. Die Spiel 2016 steht vor der Tür und die ersten Neuerscheinungen stehen schon auf der Liste. Bleibt nur zu hoffen, dass das Wetter möglichst bald etwas schlechter wird. Und außerdem muss ich jetzt los…