Mea Culpa fehlt die ganz klare Linie

Mea Culpa von Zoch verfügt über alles, was ein gutes Spiel braucht: ein witziges Thema, schöne Spielelemente und ansprechendes Spielmaterial. Trotzdem kann es nicht restlos überzeugen. Der aktuelle Spielstand bleibt bis zum Schluss unklar, die vielen verschiedenen Ausnahmen bei den Aktionen machen das Spiel unübersichtlich.

Mea Culpa ist eines von vielen Spielen, das im Jahr 2017 ein Thema aufnimmt, das zu 500 Jahre Luther passt. Das Spiel führt in das Jahr 1517 zurück, in die Zeit des Ablasshandels. Sünden werden gegen Spenden für den Dombau an die Kirche vergeben. Ein Umstand, den Luther übrigens in seinen Thesen missbilligte.

Mea Culpa von Rüdiger Kopf und Klaus Zoch bringt die Spieler in die Zeit des Ablasshandels

Mea Culpa von Rüdiger Kopf und Klaus Zoch bringt die Spieler in die Zeit des Ablasshandels

Vor dem ersten Spiel muss zunächst ordentlich gebastelt werden. Die Kerbhölzer – jeder Spieler besitzt eines – und die Spendenschatullen müssen zusammengesetzt werden. Der Spielplan zeigt sechs zentrale Elemente: In der Mitte liegen die Charaktere, darum herum gibt es den Sündenpfuhl, das Freudenhaus, die Dombauplätze und den Markt. Am Rande des Spielfelds befindet sich die Sündenleiste, auf der zwischen Himmel und Hölle die Spieler wandern. Ziel des Spiels ist es, am Ende möglichst weit Richtung Himmel zu kommen. Dazu dienen Ablassbriefe.

Das Spiel beginnt mit dem in der Regel genannten Vorspiel. Jeder Spieler bietet mit Kerben auf dem Kerbholz und mit Geld auf die vier Charaktere: Papst, Kaiser, Händler und Kleiner Sünder. Der Spieler mit dem höchsten Kerbholzwert darf sein Geld behalten, am Ende der Runde wirkt sich ein hoher Wert allerdings negativ aus. Der Spruch „Fahr zur Hölle“ wird hier Wirklichkeit. Nach der Charakterwahl führt jeder Spieler die Sonderaktion des gewählten Charakters aus. Der Papst versetzt einen der drei Papststeine im Sündenpfuhl, der Kaiser setzt einen Bautrupp auf einen Dombauplatz, der kleine Sünder besucht das Freudenhaus. Der Händler hat kein Vorspiel, er erhält am Ende jedes Spielzuges eine zusätzliche Ware vom Markt.

Chrakterwahl bei Mea Culpa: Zunächst wird auf einen Charakter geboten, mit dem man diese Runde spielt und dessen Privileg man benutzen kann

Zunächst wird auf einen Charakter geboten, mit dem man diese Runde spielt und dessen Privileg man benutzen kann

Danach beginnt die Aktionsphase. Wer am Zug ist, darf entweder passen, auf dem Markt kaufen oder verkaufen, spenden oder das Freudenhaus besuchen. Im Laufe der Aktionen wird das Kerbholz weiter beansprucht. Ebenso wie die Beteiligung am Sündenpfuhl. Jeder Spieler hat 7 Sündensteine, die er dort im Laufe des Spiels eventuell platzieren muss. Solange sich die drei Papststeine im Sündenpfuhl nicht aufeinander befinden, passiert gar nichts. Setzt ein Papst alle drei Steine aufeinander, wird der Sündenpfuhl geleert und die Steine wandern an die Spieler zurück. Für jeden Stein geht es einen Schritt Richtung Hölle.

Der Sündenpfuhl bei Mea Culpa: Für Gelb und Grün droht Ungemach. Setzt Schwarz den dritten Stein aufeinander, fahren Gelb und Grün sprichwörtlich in die Hölle

Der Sündenpfuhl bei Mea Culpa: Für Gelb und Grün droht Ungemach. Setzt Schwarz den dritten Stein aufeinander, fahren Gelb und Grün sprichwörtlich in die Hölle.

Befinden sich zwei Bautrupps an einem Dombauplatz, wird zunächst ein Kirchenschiff gebaut. Sind am selben Bauplatz nochmals zwei Bautrupps, wird ein Turm errichtet. Der Dom ist fertig, es kommt zu einer Spendenauswertung. Dazu öffnen alle Spieler ihre Spendenschatullen. Entsprechend ihres Inhaltes erhalten die Spieler Ablassbriefe.

Ist der zweite Dom gebaut, endet das Spiel. Die zweite Spendenauswertung wird durchgeführt, anschließend kommt es zur Schlussabrechnung. Jedes komplette Set Ablassbriefe (rot, grün, blau, gelb) bringt 8 Schritte Richtung Himmel. Jeder einzelne Ablassbrief bringt einen Schritt. Wer danach dem Himmel am nächsten ist, hat gewonnen.

Meine Meinung

Mea Culpa hat viele tolle Spielelemente und Ideen, die für sich betrachtet, eigentlich für gute Laune sorgen sollten. Das Thema spricht an, doch sind für meinen Geschmack zu viele verschiedene Abweichungen von einer klaren Grundregel vorhanden. Man ist quasi gezwungen, permanent in der Regel zu blättern. Für mich macht Mea Culpa den Eindruck, als ob hier alles zum Thema Ablassbriefe hineingepackt wurde, was dem Autorenteam Rüdiger Kopf und Klaus Zoch eingefallen ist. Das soll kein Vorwurf sein, aber an manchen Stellen ließe sich das Spiel deutlich entschlacken und vereinfachen. Dadurch würde die Spielbarkeit des Spiels erheblich gewinnen – mea culpa.

Wer ins Freudenhaus geht, muss am Kerbholz drehen. Es sei denn, man ist der kleine Sünder oder der Papst...

Wer ins Freudenhaus geht, muss am Kerbholz drehen. Es sei denn, man ist der kleine Sünder oder der Papst…

Ein zweiter Minuspunkt ist für mich die Fokussierung auf die Endabrechnung. Man hat während des Spiels fast keinen Überblick, wo man gerade steht und wo man am Ende landet. Zur Verwirrung trägt hier auch der Zugmechanismus auf der Abrechnungsleiste bei. Bei Bewegungen auf der Leiste werden Spielsteine anderer Spieler übersprungen.

Insgesamt reicht es für Mea Culpa für solide drei Sterne. Franz Vohwinkel hat eine gewohnt erstklassige grafische Gestaltung hingelegt, die Mechanismen sind – jeder für sich betrachtet – gut, es gibt aber einfach zu viele Ausnahmen für einen flüssigen Spielablauf.

Vielen Dank an Zoch für ein Rezensionsexemplar.

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Bewertung für Mea Culpa von Rüdiger Kopf und Klaus Zoch

Schwierigkeit Spielspaß Spielreiz Spielgrafik
mittel mittel mittel sehr gelungen
Alter Spieler Spieldauer Spielpreis
ab 14 Jahre 2 – 4 90 min 40 Euro

Gesamturteil:

sterne_3_klein

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