First Class nach Konstantinopel

First Class von Helmut Ohley ist ein klassisches Aufbauspiel. In ihren Grundzügen erinnern viele Spielmechanismen an das Erfolgsspiel Russian Railroads. Allerdings wird auf den Worker-Placement-Mechanismus verzichtet. Stattdessen gibt es eine variable Kartenauslage und einen verteufelten Abrechnungsphase.

Bei First Class bauen wir möglichst noble Züge, um die Gäste komfortabel nach Konstantinopel zu fahren

Bei First Class bauen wir möglichst noble Züge, um die Gäste komfortabel nach Konstantinopel zu fahren

In „First Class“ spielen wir ehrgeizige Firmengründer und direkte Konkurrenten von Georges Nagelmackers, dem Gründer und Initiator des „Orient Express“. Wie er versuchen wir, möglichst viele gut zahlende Passagiere für eine prestigeträchtige Fahrt zu gewinnen. Mit möglichst komfortablen Waggons soll die zahlende Kundschaft angelockt werden. Letztendlich wollen wir die beste Möglichkeit anbieten in den Orient zu reisen. Dazu gibt uns das Spiel vielerlei Möglichkeiten an die Hand und viele Wege können zum Sieg führen.

Gespielt wird First Class in 6 Spielrunden. Jeweils nach zwei Runden gibt es eine Wertung. Nach der dritten Wertungsrunde folgt noch eine Abschlusswertung, danach ist Schluss. Wer jetzt die meisten Punkte hat, ist Sieger. Bevor das Spiel allerdings losgehen kann, müssen die Kartenstapel für die Spielrunden vorbereitet werden. Es gibt drei Kartenstapel (grün, blau, rot). Jeder Stapel wird für zwei Spielrunden benutzt. Das Spiel ist modular aufgebaut. Es gibt Basiskarten, die bei jeder Partie verwendet werden, sowie 5 Module, von denen jeweils zwei im Einsatz sind. Die Basiskarten und die Modulkarten der drei Farben werden gemischt und neben dem Spielplan bereitgelegt. Vom ersten Stapel erfolgt jetzt die Auslage in der Tischmitte. 3 Reihen zu je 6 Karten werden ausgelegt. Die 18 Karten stellen die zur Verfügung stehenden Aktionen dar. Innerhalb einer Runde ist jeder Spieler dreimal am Zug. Alternativ zu einer Aktionskarte kann man einmalig in einer Runde auch die Startspielerkarte wählen.

first_class_tableau

Nach rechts werden die Züge gebaut, nach links das Streckennetz. Punkte für die Waggons gibt es erst, wenn der Schaffner vorbei ist

Jeder Spieler besitzt ein Spieltableau, an dem er Karten anlegen kann und auf dem er seine Münzen verwaltet. Tipp: Sorgt für ausreichend Platz nach rechts und links. Nach rechts werden die Waggons für Eure beiden Züge abgelegt, nach links kommen Karten für Euer Streckennetz. Bei unseren Spielrunden hat sich gezeigt, ein großer Tisch ist vorteilhaft!

Münzen sind bei First Class Sonderzüge, die man jederzeit ausführen kann

Münzen sind bei First Class Sonderzüge, die man jederzeit ausführen kann

Die Münzverwaltung ist etwas trickreich. Jeder Spieler kann 12 Münzen auf seinem Tableau in drei Spalten ablegen (5,5,2). Aufgefüllt wird von links unten. D.h., man kann in Spalte 2 immer nur Münzen ablegen, wenn Spalte 1 voll ist. Die Münzen stellen Sonderaktionen dar, die man jederzeit – auch in der Abrechnungsphase – ausspielen kann. Allerdings nicht beliebig. Die Münzen sind, je nach Spalte in der sie liegen, zweckgebunden.

Prinzipiell gibt es mehrere Aktionen in der Auslage. Je nach verwendeten Modulen können diese allerdings von Spiel zu Spiel abweichen. Die Grundaktionen sind:

  • Zug erweitern
  • Waggon aufwerten
  • Schaffner bewegen
  • Streckennetz erweitern
  • Lokomotive bewegen
  • Aufträge ausführen
  • Spielendekarte nehmen

Zug erweitern: Mit dieser Aktion legt man neue Waggons mit dem Wert 0 an seinen Zug an. Handelt es sich um den 5. Waggon, wird als 6. Wagen ein Postwagen angelegt. Ist es der 9. Waggon, legt man zum Abschluss des Zuges die oberste Lokomotive an.

Waggon aufwerten: Beginnend am Tableau dürfen Waggons aufgewertet werden. Dabei darf ein aufgewerteter Waggon niemals wertvoller sein, als der Wagen links daneben.

Schaffner bewegen: Für jeden Zug gibt es einen Schaffner, der entlang des Zuges vom Tableau zur Lokomotive bewegt werden kann. Im Falle einer Wertung gibt es nur Punkte für die Waggons, die der Schaffner bereits erreicht hat.

Für die ersten drei Schaffner, die eine Lokomotive erreichen, gibt es Sondersiegpunkte

Für die ersten drei Schaffner, die eine Lokomotive erreichen, gibt es Sondersiegpunkte

Streckennetz erweitern: Streckenkarten werden links oben an das Tableau angelegt. Das erste Streckenstück ist bereits auf das Tableau gedruckt. Auf den Streckenkarten gibt es Einmalboni und Boni, die in jeder Abrechnung zum Tragen kommen.

Lokomotive bewegen: Die Lokomotive fährt das Streckennetz ab. Kommt sie dabei über Einmal-Bonusfelder, werden diese sofort ausgeschüttet. Erreicht die Lokomotive Bonusfelder mit einer Taschenuhr, erhält der Spieler in jeder folgenden Abrechnung den jeweiligen Bonus.

Aufträge ausführen: Aufträge können beispielsweise bestimmte Wagenkombinationen sein. Erfüllt man die geforderte Kombi, erhält man den aufgedruckten Bonus.

Spielendekarte nehmen: Spielendekarten erhält man über die Auslage oder durch Bezahlung von vier Münzen. Für sie gibt es in der abschließenden Wertung Punkte für die genutzten Aktionskarten.

Spielendekarten bringen am Ende Siegpunkte für gesammelte Aktionskarten

Spielendekarten bringen am Ende Siegpunkte für gesammelte Aktionskarten

Meine Meinung

Wem Russian Railroads gefällt, dem wird auch First Class gefallen. Die Mechanismen sind verwandt, aber doch unterschiedlich genug, dass sich die Anschaffung von First Class auch für Russian-Railroads-Besitzer lohnt. Die einzelnen Aktionen sind nicht besonders schwer, sodass man trotz der Fülle an Aktionen schnell den Durchblick hat. Gewöhnungsbedürftig sind allerdings die sogenannten Kettenaktionen in der Abrechnungsphase. Ein kleines Beispiel: Mithilfe einer Münze kauft man in der Abrechnungsphase den fünften Waggon. Man darf anschließend einen Postwagen anlegen und den Bonus nutzen, beispielsweise die Lokomotive um zwei Schritte bewegen. Die Lokomotive kommt dabei über ein neues Bonusfeld. Dieser Bonus steht dem Spieler sofort zur Verfügung, da man sich in der Abrechnungsphase befindet. Mit diesem neuen Bonus darf man vielleicht wieder einen Wagen bauen oder aufwerten. Diese Kettenzüge sind gewollt und ein taktisches Mittel bei First Class. Zu Deutsch: Man muss bereits während der beiden Aktionsphasen die Wertung im Blick haben, um nichts zu verschenken oder einen unnützen Zug zu machen. Hierin liegt die Kunst, First Class für sich zu entscheiden.

Auch die Spielendekarten sind ein mächtiges Schwert, um zum Schluss nochmal richtig Punkte abzuräumen. Die Entwicklung der beiden Züge sowieso. Und man darf auch die Macht der Münzen nicht unterschätzen. Ein volles Tableau erhöht die Möglichkeiten während der Aktionsphase und der Wertungsphase.

Das Spiel ist wahrlich abwechslungsreich und es gibt verschiedene Wege zum Ziel, wie man das auch schon von Russian Railroads her kannte. Das macht First Class zum formidablen Kennerspiel. Auch wenn es nicht ganz billig ist.

Vielen Dank an Hans im Glück für ein Rezensionsexemplar von First Class.

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Spielbewertung für First Class von Helmut Ohley

Schwierigkeit Spielspaß Spielreiz Spielgrafik
schwierig sehr hoch super hoch erstklassig
Alter Spieler Spieldauer Spielpreis
ab 12 Jahre 2 – 4 20 min pro Spieler ca. 48 Euro

Gesamturteil:

sterne_5_klein

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