Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Newton ist eine Gemeinschaftsarbeit von Nestore Mangone und Simone Luciani. Und nebenbei eines der besten Spiele, die ich in den letzten Jahren gespielt habe. Ausgewogen mit vielen Möglichkeiten gilt es Siegpunkte mit Reisen, Lernen und technologischen Fortschritten zu erringen. Unterstützt wird man von den großen Meistern der Wissenschaft.

Das 18. Jahrhundert ist das Zeitalter der bedeutendsten Entdeckungen. Aufregende Forschung führt zu immer mehr Wissen in geheimnisvollen und unbekannten Gebieten. Die Spieler schlüpfen bei Newton in die Rolle von jungen Gelehrten, um in die Fußstapfen des großen Newton zu treten. Dazu reisen sie durch Europa und besuchen Städte, Universitäten und Kultstätten. Sie arbeiten hart, um die Lehrstunden zu finanzieren, und entdecken neues Wissen in der Bibliothek.

Newton wird auf mehreren Spielplänen gespielt

Gespielt wird auf drei Elementen: dem Reiseplan, dem Fortschrittsplan und dem eigenen Tableau. Darüber hinaus liegen neben dem Spielplan einige Geistesblitze, die erworben werden können. Gespielt wird in 6 Runden, jede Runde ist in 2 Phasen unterteilt. In der Aktionsphase muss jeder Spieler 5 Aktionskarten ausspielen. Eine Aktionskarte ist zweigeteilt: Aktionssymbol (unten), Sondereffekt (oben). In der Aufräumphase muss man eine der Aktionskarten unter sein Tableau schieben. Sie kann jetzt nicht mehr ausgespielt werden, erhöht aber den Wert zukünftiger gleicher Aktionen. Sondereffekte dieser Karte können nicht mehr genutzt werden.

Zentrales Element bei Newton ist das eigene Tableau, der Schreibtisch. Hier werden die Aktionskarten ausgespielt.

Es gibt insgesamt 5 verschiedene Aktionen: Arbeiten, Technologie, Reisen, Lehrstunde und Studieren. Zu jeder dieser Aktionen gibt es ein Aktionssymbol auf den Aktionskarten. Durch Ablegen einer passenden Karte auf seinem Tableau darf man die zugehörige Aktion ausführen. Der Wert einer Aktion definiert sich dabei über die Anzahl der entsprechenden Aktionssymbole auf dem Tableau. Wird ein Symbol zum ersten Mal ausgespielt, so ist der Wert gleich 1. Liegt ein Symbol bereits auf dem Tableau und es wird das gleiche Symbol ein zweites Mal ausgespielt, ist der Wert gleich 2. Durch die Abgabe von 2 Geld kann man den Wert einer Aktion um 1 erhöhen.

Arbeiten (Geld bekommen): Bewege deinen Marker um (maximal) so viele Felder auf der Arbeitsleiste weiter, wie es dem Wert der Aktion entspricht, und nimm dir genauso viele Münzen aus dem allgemeinen Vorrat.

Technologie (Fortschritt): Bewege EINEN deiner Studenten um (maximal) so viele Felder im Technologiebaum weiter, wie es dem Wert der Aktion entspricht.

Reisen (Orte besuchen):  Bewege deinen Gelehrten um (maximal) so viele Felder auf dem Spielplan, wie es dem Wert der Aktion entspricht. Besuchte Orte werden mit einem Spielstein gekennzeichnet.

Lehrstunde (neue Aktionskarten erwerben): Nimm EINE der ausliegenden Aktionskarten auf die Hand, deren Stufe (maximal) dem Wert der Aktion entspricht.

Studieren (Regalplättchen ablegen): Nimm EINES deiner Regalplättchen und lege es auf dein Studientableau auf ein Buchfeld deiner Wahl in einer Regalreihe, deren Stufe (maximal) dem Wert der Aktion entspricht.

Die Aktion Arbeiten ist eigentlich selbsterklärend. Erreicht man ein Sonderfeld, muss man auf diesem Feld stehen bleiben, um den Effekt zu nutzen. Gleiches gilt für die Aktion Technologie. Hier gibt es mehrere Pfade, denen man folgen kann. Die Schlussfelder können unterschiedlich sein. Zum Teil sind Bedingungen notwendig, um sie zu betreten. Läuft die Spielfigur über ein Bonusplättchen, nimmt man es und führt den Effekt aus. Das gilt auch für das Reisen. Mit der Aktion Lehrstunde erhält man neue Karten mit zusätzlichen Sondereffekten, die ganz nützlich sind.

Probieren geht nicht über Studieren

Die Aktion Studieren ist etwas komplizierter. Das Regal auf dem Tableau besteht aus drei Reihen mit unterschiedlichem Wert der Aktion (1 bis 3). Man darf genau ein Buchplättchen in einer Reihe ablegen, die dem Aktionswert entspricht – Wert 1, Reihe 1, Wert 2, Reihe 1 oder 2, Wert 3, Reihe 1, 2 oder 3. Das Splitten auf mehrere Bücherplättchen ist nicht erlaubt. Darüber hinaus muss man die Bedingung für das Regalfach erfüllen. Das können Bücher oder besuchte Orte sein. Ist eine Reihe oder Spalte fertig, bekommt man dafür in der Aufräumphase entsprechende Siegpunkte.

Jeder Spieler hat zu Beginn einen Joker in der Hand, der wie eine Aktionskarte ausgespielt werden kann. Er gilt als beliebige Basisaktion. Daneben gibt es noch ein paar Zusatzaktionen, die beliebig ausgeführt werden können. Für 3 Geld kann man sich einen Trank kaufen. Diese sind recht nützlich bei der Aktion Studieren. Mit einem Trank kann man ein fehlendes Buch ersetzen, mit 3 Tränken kann man gar ein beliebiges Feld im Bücherregal belegen. Für 5 Geld darf man eine zusätzliche Spielfigur auf das Startfeld des Technologie-Spielplans stellen und für 2 Geld darf man 2 zusätzliche Karten bei der Aktion Lehrstunde aufdecken.

Jeder Spieler erhält zu Spielbeginn 4 Meisterkarten. Erreicht er eines der Meisterfelder (Reisen, Technologie, Arbeiten), kann er die Fähigkeit einer Karte nutzen. Am Ende gibt es auch noch Siegpunkte für die Meister.

Das Spiel endet nach der sechsten Aufräumphase. Es gibt noch Siegpunkte für Zielfelder und Meisterkarten. Wer jetzt vorne ist, hat gewonnen.

Meine Meinung

Newton ist echt klasse. Für ein doch recht komplexes Spiel ist Newton in Nullkommanix erklärt. Es gibt keine großartigen Sonderregeln oder Ausnahmen, die das Spiel kompliziert machen. Der Ablauf ist daher recht einfach, wodurch sich das Spiel flüssig spielen lässt. Es gibt viele verschiedene Variationsmöglichkeiten, wie man zu Punkten kommen kann. Man sollte aber bei jedem Spielweg, für den man sich entscheidet, das Studieren nicht vergessen. Schließlich kann man kein großer Wissenschaftler werden, ohne regelmäßig in der Bibliothek tätig zu sein. Das Siegpunktepotenzial des Bücherregals ist schon gewaltig. Spätestens nach Runde 2 sollte man hier Siegpunkte einfahren. Einmal belegt, liefern vollständige Reihen oder Spalten in jeder Aufräumphase Siegpunkte. Das summiert sich bis Spielende. So reichen vier belegte Felder nach Runde zwei schon aus, um 30 Siegpunkte zu machen. Das macht rund ein Drittel der Siegpunkte aus. Es lohnt sich daher, möglichst schnell zu studieren.

Insgesamt gehört Newton sicherlich auf eine Stufe mit Klassikern wie Sankt Petersburg oder Puerto Rico. Daher gibt es auch volle Punktzahl.

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Spielbewertung für Newton von Nestore Mangone und Simone Luciani

SchwierigkeitSpielspaßSpielreizSpielgrafik
mittel – schwierigsehr hochextrem hochsehr schön
AlterSpielerSpieldauerSpielpreis
ab 12 Jahre1 – 4ca. 30 min/Spielerca. 43 Euro

Gesamturteil:

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Ein typisches Feld-Spiel

Man mag ihn oder man mag ihn nicht. An Spieleautor Stefan Feld scheiden sich definitiv die Geister. Die einen finden seine Spiele super, die anderen, nun ja, sagen wir eher weniger gut. Ein dazwischen gibt es praktisch nicht. Mit Forum Trajanum hat Feld im letzten Jahr ein neues Spiel bei Huch herausgebracht. Warum es mir gefällt und warum Stefan-Feld-Spiele in meinem Spieleschrank einen festen Platz haben, lest ihr im folgenden Artikel.

Um Ru(h)m & Ehre, Die Burgen von Burgund, Trajan, Bora Bora, Brügge, AquaSphere, Jórvík, Das Orakel von Delphi, Carpe Diem – die Liste an Stefan-Feld-Spielen ist lang. Genauso lang, wie die meisten Spielanleitungen. Stefan Feld produziert keine Stangenware, er liefert Maßanfertigungen. Leichte Kost geht anders. Wer ein Stefan-Feld-Spiel aus dem Schrank holt, weiß, worauf er sich einlässt. Vor dem Spielspaß kommt erst einmal ein gründliches Lesen der Spielanleitung. Meistens reicht ein Durchgang nicht, um alle Finessen zu erfassen. Danach ein oder zwei Proberunden, um die Feinheiten, Ausnahmen, Besonderheiten zu verstehen. Ein Aufwand, den viele Spieler scheuen. Hat man sich allerdings durch die Startschwierigkeiten durchgekämpft, erwartet den Spieler ein fein durchdachtes, ausgefeiltes Spiel, das viel Spaß macht.

Es gibt Spiele, die kann man aus dem Spieleschrank ziehen, aufbauen und sofort losspielen. Man kennt die meist einfachen Regeln und die simplen Mechanismen. Doch zu diesen Spielen gehören Feld-Spiele in der Regel nicht, was sicherlich ein Problem darstellt. Während Spiele wie Brügge oder Die Burgen von Burgund vielleicht immer wieder mal beim Spieleabend auf den Tisch kommen, werden Spiele wie AquaSphere oder Das Orakel von Delphi eher selten gespielt werden. Die genauen Regeln sind vergessen und beim Aufbau des Spiels hört man immer wieder den gleichen Satz: „Wie war das nochmal…?“ Wer vorhat, ein Stefan-Feld-Spiel an einem Spieleabend zu spielen, sollte daher immer nochmal einen Blick in die Spielregel werfen.

Forum Trajanum ist ein typisches Feld-Spiel. Siegpunkte gibt es hier und da.

Forum Trajanum reiht sich in diesen Spielereigen ein. Auch hier gibt es eine ausführliche Spielanleitung, auch hier bedarf es einiger Partien, um alle Feinheiten des Spiels zu verstehen – trotz einfachem Mechanismus. Und auch hier musste ich vor jeder Partie einen Blick in die Regel werfen: „Wie war das doch noch gleich…?“

Der Bau des größten Forums in Rom

In Forum Trajanum geht es um ein Monument der Ewigkeit. Kaiser Trajan will das größte und schönste Forum Roms bauen. Die Spieler schlüpfen in die Rolle eines Kolonie-Verwalters, der seine Colonia im Laufe des Spiels möglichst optimal entwickelt und den Kaiser via Gesandte beim Bau seines Monumentes unterstützt. Jeder Spieler besitzt dazu eine Colonia mit 36 Feldern (6×6 Raster, 32 Felder mit Coloniaplättchen belegt), die es geschickt zu bebauen gilt. Gespielt wird in 3 Durchgängen zu je vier Runden. Nach jedem Durchgang gibt es eine Wertungsphase, in der die Spieler Siegpunkte für ihre Errungenschaften in der Colonia und dem Forum bekommen. Wer am Ende des 3. Durchgangs die meisten Siegpunkte hat, gewinnt.

Jeder Spieler besitzt ein Tableau mit einem Straßensystem, Bürger und Gesandte. Auf frei gewordenen Feldern kann gebaut werden. Anschließend gibt es die entsprechenden Boni.

Vor Beginn einer Runde werden 2 Straßenkarten aufgedeckt. Alle Spieler decken gleichzeitig zwei Coloniaplättchen, die in diesen beiden Straßen liegen, auf. Sie behalten eines der beiden Plättchen und geben das andere an den rechten Mitspieler weiter. Danach dürfen die Spieler nacheinander im Uhrzeigersinn ein Coloniaplättchen nutzen und eine Bauaktion durchführen. Auf den Coloniaplättchen sind Bürger oder Ressourcen abgebildet. Die sechs Bürger stammen aus drei Gesellschaftsschichten (Patrizier, Handwerker, Händler). Bürger bringen Spezialfertigkeiten oder Sofortboni und wirken als Siegpunktmultiplikatoren bei der Colonia-Wertung. Insgesamt gibt es sechs verschiedene Ressourcen: Baumeister, Arbeiter, Assistenten, Geld, Tribune und Aufwertungen. Mit ihnen lassen sich Gebäude bauen, die Straßenkarten ignorieren, zusätzliche Coloniaplättchen nutzen und vieles mehr. Alle eigenen Coloniaplättchen, die genutzt wurden, kommen auf das eigene Ablagefeld. Sie können später als Gesandte ans Forum geschickt werden.

Für jede Bauaktion, die ein Spieler ausführt, gibt es eine zugehörige Bauprämie. Wer mithilfe des Baumeisters ein graues Gebäude baut, erhält direkt Siegpunkte oder weitere Ressourcen. Durch den Bau eines farbigen Bauwerkes darf man einen Gesandten auf dem Forum platzieren. Das Forum ist in verschieden große Flächen in den vier Farben der bunten Bauwerke unterteilt. Den ersten Gesandten darf ein Spieler in ein beliebiges Feld der entsprechenden Farbe setzen. Nachfolgende Gesandte aller Spieler müssen in dieser Farbe in das angefangene Farbfeld gesetzt werden. Wer den letzten Gesandten in ein Farbfeld setzt, erhält einen Flächenbonus. Auf dem Forum gibt es auch einige Adlerfelder. Gesandte, die orthogonal neben diesen Feldern sitzen, zählen in der Forumswertung 1 Siegpunkt.

Am Ende eines Durchgangs kommt es zu einer Wertung. Zunächst müssen die Bürger, die mit ihren Spezialfertigkeiten auf dem Tableau aktiv sind, bezahlt werden. Sonst bringen sie in der Wertung keinen nutzen. Jetzt gibt es Siegpunkte für offene Baukräne (liegen in den Ecken der Colonia), die grauen Gebäude in Abhängigkeit von den aktiven Bürgern, die Gesandten auf dem Forumsplatz und erfüllte Auftragskarten. Nach der dritten Wertung endet das Spiel.

Meine Meinung

Ich muss vorausschicken, dass ich ein Fan von Stefan-Feld-Spielen bin. Trotz der Nachteile seiner Spiele (viele Sonderregeln etc.) haben sich bisher alle Spiele als gut spielbar erwiesen. Das gilt auch für Forum Trajanum. Der eigentlich Spielmechanismus ist doch recht einfach. 2 Plättchen nehmen, eines weitergeben, eines bekommen, eines der beiden Plättchen nutzen, Bauaktion durchführen, Prämie nehmen. Die Grundregeln werden natürlich durch die Bürger mit ihren Sondereigenschaften etwas ausgehebelt. Deshalb sollte man sich vor dem Spiel mit den Sondereigenschaften etwas intensiver beschäftigen. Am besten lässt man die Seite 10 der Regel offen neben dem Spielbrett liegen. Man wird sie brauchen.

Das Spiel bietet insgesamt viel Abwechslung (natürlich auch wegen der Bürger). Es fordert von den Spielern eine hohe Variabilität in den Handlungen. Einen stringenten Plan zu verfolgen ist extrem schwierig, da man ja nicht weiß, welche Coloniaplättchen man in der nächsten Runde erhält. Forum Trajanum ist ein Spiel, bei dem man von Runde zu Runde agieren muss und das beste aus dem herausholen muss, was man gerade zur Verfügung macht. Das ist natürlich nicht jedermanns Sache.

Fazit: Forum Trajanum ist ein typisches Feld-Spiel – mit allen Vor- und Nachteilen.

Vielen Dank an Huch für ein Rezensionsexemplar.

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Spielbewertung für Forum Trajanum von Stefan Feld

SchwierigkeitSpielspaßSpielreizSpielgrafik
schwersehr hochsehr hochsehr schön
AlterSpielerSpieldauerSpielpreis
ab 12 Jahre2 – 4ca. 30 min/Spielerca. 45 Euro

Gesamturteil: