Nutze den Spieleabend

Die Überschrift galt schon im alten Rom. Dort sahen die Spiele zwar etwas anders aus, das lateinische „Carpe Diem“ hat Stefan Feld zum gleichnamigen Spiel inspiriert. Als einflussreicher Patrizier nutzen wir den Tag, um unser Stadtviertel mit allerlei Features auszurüsten. 

Bevor Carpe Diem starten kann, muss das eigene Spieltableau zusammengebastelt werden. Jeder Spieler erhält vier beliebige Randteile, in die er sein Stadtviertel legt. Auf den Randteilen sind Bedingungen für Sondersiegpunkte am Ende des Spiels aufgedruckt. Durch die Puzzelei sind sie immer anders.

 

Spielablauf

Das Spiel läuft über genau vier Durchgänge à sieben Runden. Das ergibt sich aus dem Spielplan. In der Mitte gibt es 7 Felder zu je vier Bauplättchen, die im Kreis angeordnet sind. Somit erhält jeder Spieler in jedem Durchgang genau 7 Bauplättchen. Jedes dieser 7 Felder ist mit den beiden gegenüberliegenden Feldern verbunden. Ist ein Spieler am Zug, muss er seine Spielfigur auf eines dieser beiden Felder setzen und dort ein Bauplättchen nehmen. Ist das Feld leer, muss der Spieler sofort weiterziehen. Er kann auch auf das Feld zurückgehen, von dem er gekommen ist. Das Plättchen wird anschließend im eigenen Startviertel angelegt. Es muss dabei immer passend platziert werden (Wiese an Wiese, Unterkunft an Unterkunft…). Auf diese Weise füllt sich das Stadtviertel mit der Zeit.

 

Wozu das Ganze?

Neben den zentralen Feldern gibt es auf dem Spielplan eine Reihe von Wertungskarten. Nachdem alle 28 Bauplättchen einer Runde vergeben sind, kommt es zu einer Wertungsrunde. Der Spieler, der auf der Banderolenleiste (Erklärung kommt gleich) am weitesten vorne ist, darf anfangen. Er setzt einen Wertungsstein genau zwischen zwei Karten. Diese beiden Karten kann er jetzt werten und die entsprechenden Siegpunkte oder Boni kassieren. Vorausgesetzt, er erfüllt die Bedingungen der Wertungskarten. Diese verlangen zum Beispiel Fische, Hühner, Blätter oder Wein, die man durch den Bau von Kulturlandschaften erhält. Es werden zwei Typen von Wertungskarten unterschieden. Zum einen muss man nur die Bedingung erfüllen, zum anderen muss man die entsprechenden Gegenstände abgeben. Ein typische Wertungskarte: Besitze drei abgeschlossene Kulturlandschaften, erhalte dafür ein Gold und ein Brot.

Joker helfen

Gold und Brot sind so etwas wie die Joker im Spiel. So kann ein Gold zum Beispiel eine fehlende Ware ersetzen. Mit drei Broten kann man eine komplette Wertungskarte immer erfüllen. Übrigens: Es kann vorkommen, dass man eine Karte auch mehrmals erfüllen kann. Werden zum Beispiel 3 Kulturlandschaften verlangt und man besitzt 6 davon, darf man sich den Bonus zweimal nehmen.

Die Banderolenleiste

In jedem Stadtviertel gibt es sogenannte Banderolenfelder. Werden diese überbaut, erhält man einen Schritt auf der Banderolenleiste. Zusätzlich gibt es für den Bau eines Verwaltungsgebäudes 2 Schritte auf der Banderolenleiste. Am Ende sind die erreichten Schritte Siegpunkte. Darüber hinaus legt die aktuelle Reihenfolge auf der Leiste die Reihenfolge zum Platzieren der Wertungssteine fest.

Spielende

Sind alle vier Runden gespielt, gibt es noch eine Schlusswertung. Wer Villen gebaut hat, zählt die darauf abgedruckten Schornsteine und erhält dafür gemäß Tabelle noch Siegpunkte. Zum Schluss gibt es die Punkte für die Banderolenleiste und für restliches Spielmaterial. Anschließend werden dann noch die Brunnenkarten abgerechnet. Sie erhält man während der Bauphase, wenn man einen Brunnen baut. Und als letztes gibt es die Punkte für die Bonusaufgaben, die auf dem eigenen Spielfeldrand aufgedruckt sind. Wer jetzt die meisten Punkte hat, ist Sieger.

Meine Meinung

Carpe Diem ist ein typisches Stefan-Feld-Spiel. Es gibt viele Möglichkeiten und Alternativen, die einen hohen Spielreiz vermitteln. Das Spiel wird niemals langweilig, trotz des einfachen und statischen Rundenaufbaus. Es ist eher umgekehrt: Der statische Aufbau ermöglicht es auch Spielern mit weniger Erfahrung die vielen Baumöglichkeiten zu handhaben. Aus den verschiedenen Abrechnungsbereichen ergeben sich auch verschiedene Baustrategien, die sich zum Teil gegenseitig beeinflussen. So bringen die Villen mit ihren Schornsteinen am Ende ordentlich Punkte, dafür kann man unterwegs in den Rundenwertungen oftmals nicht das Optimum herausholen. Konzentriert man sich auf das Bauen von Kulturlandschaften und hat mehrere Warensets, kann man in der Rundenwertung richtig absahnen. Dafür gibt es bei den Schornsteinen wenig Punkte. Um das Spiel zu gewinnen, muss man eine feine Balance zwischen den verschiedenen Möglichkeiten – Rundenwertung, Villen, Randwertung, Brunnenkarten – finden. Man muss das eine tun, ohne das andere zu lassen.

Mir hat Carpe Diem gut gefallen. Einfacher Aufbau, unzählige Möglichkeiten und ein Gespür für das Abrechnungsschema machen das Aufbauspiel sehr abwechslungsreich.

Vielen Dank an Ravensburger für ein Rezensionsexemplar.

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Spielbewertung für Carpe Diem von Stefan Feld

Schwierigkeit Spielspaß Spielreiz Spielgrafik
mittel sehr hoch sehr hoch sehr gefällig
Alter Spieler Spieldauer Spielpreis
ab 10 Jahre 2 – 4 75 min ca. 35 Euro

Gesamturteil:

sterne_4_5_klein

 

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The Rise of Queensdale begeistert

Liebe Inka, lieber Markus,

als Autorenpaar seit Ihr seit vielen Jahren im Geschäft. Mit Village habt Ihr bereits 2012 ein Top-Spiel abgeliefert. Doch was Ihr beiden in den letzten Jahren treibt, verzaubert nicht nur mich, sondern alle Spielefans. Erst die Exit-Spiele, dann Rajas of the Ganges und jetzt auch noch Euer Meisterstück: Das Legacy-Spiel The Rise of Queensdale. Seit ich Mitte März das Rezensionsexemplar von Ravensburger erhalten habe, lässt mich das Spiel nicht mehr los. Ich möchte mich an dieser Stelle auch gleich bei allen Lesern meines Blogs entschuldigen, die längere Zeit nichts mehr von mir gehört haben. Aber dieses Spiel hat meine ganze Aufmerksamkeit erfordert.

Queensdale_Schachtel

The Rise of Queensdale ist ein absolutes Schwergewicht – in jeder Hinsicht

Bereits beim Auspacken der Schachtel aus dem Karton stellte ich fest, dass es sich bei dem Spiel um ein echtes Schwergewicht handelt. Beim Öffnen der Schachtel wußte ich auch warum: Voll bis zum Rand mit Spielematerial erhielt ich sofort einen ersten Eindruck von dem, was da auf mich zukommt.

Also Regel raus und lesen. Die ersten beiden Seiten sehen ganz normal aus. Doch was ist das: Auf den Folgeseiten sind leere Stellen. Auf den hinteren Seiten ist alles leer. Nur ein paar Rahmen und ein paar Nummern lassen vermuten, dass hier später etwas eingeklebt wird. Und tatsächlich: Dem Spiel liegen zahlreiche Klebebögen bei. Regelerweiterungen für kommende Partien.

The Rise of Queensdale ist ein sogenanntes Legacy-Spiel. Bei diesem Spieletypus baut jede Partie auf den Errungenschaften der vorherigen Partie auf. Werden bestimmte Levels übersprungen, kommen neue Spielelemente hinzu, die das Regelwerk erweitern. Ich möchte gar nicht wissen, wieviel Stunden Arbeit in diesem Spiel stecken, und wie oft Ihr kurz davor wart, das Projekt in die Ecke zu schmeißen. Daher ziehe ich meinen Hut, dass Ihr es bis zu Ende durchgezogen habt. Es hat sich gelohnt.

Ein einfacher Grundmechanismus, der über alle Partien gleichbleibt (zumindest bis jetzt), und ein tolles Belohnungssystem sorgen für viel Spielspaß bis zum Ende. Im Prinzip ist The Rise of Queensdale ein Würfel-Placement-Spiel. Jeder Spieler hat 5 Würfel, mit denen man Rohstoffe erhalten oder Aktionen ausführen kann. Zu Beginn einer Runde würfeln alle Spieler gleichzeitig und legen anschließend reihum Ihre Würfel ab. Haben alle Spieler Ihre Aktionen ausgeführt, wird wieder gewürfelt und eine neue Runde beginnt.

Jeder Spieler besitzt ein persönliches Spielziel in Form einer gewissen Punktezahl. Erreicht ein Spieler sein Ziel, bekommt er für die nächste Runde einen kleinen Startbonus. Alle Spieler, die ihr Ziel nicht erreichen, erhalten Siegel, die sie in permanente Vorteile auf ihren Würfeln umwandeln können. Dazu werden die Verbesserungen auf die Würfel aufgeklebt. Durch diese Permanentboni werden zurückliegende Spieler etwas stärker, sodass sie ihr Spielziel leichter erreichen. In Konsequenz heißt das: Alle Spieler entwickeln ihre Farbe nahezu im Gleichschritt. So bleibt das Spiel sehr ausgeglichen.

Was Ihr, liebe Inka und lieber Markus, mit The Rise of Queensdale vollbracht habt, ist mehr als beeindruckend. Das Spiel zieht einen unweigerlich in seinen Bann. Hat man sein Spielziel erreicht, möchte man gleich mit den neuen Regeln weiterspielen. Auch wenn das Einkleben der Regelsticker in das Regelheft manchmal etwas mühselig ist.

Was soll ich sagen: Ich bin total begeistert von dem Spiel und von der Arbeit, die Ihr beide in das Spiel gesteckt habt. Und ich hoffe, dass dies nicht das letzte Spiel dieser Art von Euch ist. Meine Bewertungsskala hat maximal fünf Sterne. Doch Euer Spiel liegt in jeder Hinsicht weit darüber. Bei einem Hotel würde man wohl Superior superduperplus dazu sagen.

Herzliche Grüße

Bernd Rademacher

Ein Spiel, drei Varianten

Die Burgen von Burgund von Stefan Feld sind ein Strategie-Klassiker, den Ravensburger 2011 auf den Markt gebracht hat. Mittlerweile sind auch das Kartenspiel (2016) und das Würfelspiel (2017) erschienen. Die grundlegende Spielidee ist immer dieselbe, dennoch gibt es gehörige Unterschiede.

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Drei Spiele, eine gemeinsame Idee: Die Burgen von Burgund als Brett-, Karten- und Würfelspiel

Ob Brett-, Karten- oder Würfelspiel, es sind immer die Augen eines Würfels, die eine grundlegende Aktion auswählen. Im Brettspiel sind es zwei Würfel, im Kartenspiel eine Karte mit aufgedrucktem Würfel und im Würfelspiel sogar vier Würfel. Aber der Reihe nach. Zunächst einmal zum Spielprinzip: Im 15. Jahrhundert versuchen die Spieler als Landesfürsten ihre Ländereien durch Handel und Investitionen aufblühen zu lassen. Sie bauen Schiffe und Städte, investieren in Viehzucht, sammeln Wissen, handeln mit Waren und beuten Minen aus. Dazu besitzt jeder Spieler ein eigenes Reich, das er sozusagen mit Leben füllen muss. Unterstützt wird er dabei von Arbeitern, die einen Würfelwurf manipulieren, und Silberstücken, die Doppelzüge erlauben. Hinter allen drei Spielen steckt ein Abrechnungsmechanismus, bei dem es vor allem auf Schnelligkeit ankommt.

Die zahlreichen Möglichkeiten, die das Brettspiel bietet, verlangen von den Spielern Runde für Runde absolute Aufmerksamkeit, ein planvolles Vorgehen und viel Voraussicht. Somit stellt sich das Brettspiel als fantastisches Strategiespiel dar, das wirklich nur für Fortgeschrittene geeignet ist.

Dieser strategische Ansatz wurde auch auf die beiden kleinen Brüder übertragen, allerdings in etwas abgeschwächter Form. Nichtsdestotrotz bleiben sowohl Karten- als auch Würfelspiel strategisch orientiert, auch wenn dies beim Würfelspiel dann doch deutlich weniger zum Tragen kommt.  Dennoch ist das Würfelspiel nicht zu unterschätzen und nicht mit Standardwürfelspielen zu vergleichen, die ein hohe Glückskomponente haben.

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Viel Gekritzel auf dem Block des Würfelspiels. Da passieren schnell Fehler.

Die unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade erkennt man auch an den Spielzeiten. Während man für das Brettspiel locker 2 Stunden veranschlagen kann, spielt sich das Kartenspiel in der halben Zeit. Beim Würfelspiel agieren eigentlich alle Spieler gleichzeitig und die Spielzeit ist vom Hersteller mit max. 30 Minuten angegeben. Da der Spielplan beim Würfelspiel recht klein ist und man hier auf der Vorlage viel umkringeln und durchstreichen muss, ist die Fehlerquote doch recht beträchtlich. Ein Radiergummi ist daher ein unverzichtbares Utensil. Meiner Meinung nach macht es eigentlich Sinn, nicht parallel zu spielen, sondern ein Spieler nach dem anderen macht seinen Zug. Dadurch verdoppelt sich allerdings die Spielzeit und man braucht auch für das Würfelspiel rund eine Stunde.

Letztendlich verfügen alle drei Spiele über einen gewissen Anspruch. Das Brettspiel ist sicherlich die Krönung der Spieleserie. Aber auch Karten- und Würfelspiel machen Spaß. Man sollte aber eine Vorliebe für strategische Spiele mitbringen. Wenig geübte Spieler sollten die Finger von den Spielen lassen. Denn keines der drei Spiele holt man mal eben aus dem Schrank und spielt einfach los.

Wenn ich die Auswahl zwischen den drei Spielen hätte, mein Favorit wäre immer das Brettspiel. Es ist abwechslungsreich, bietet viele Varianten und ist mit großzügigem Spielplan und übersichtlichen Spielertableaus einfach perfekt gemacht. Das Gekritzele auf dem Würfelspielblock hat mir dagegen weniger gefallen. Da ist das Kartenspiel doch deutlich übersichtlicher.

Insgesamt gibt es für das Brettspiel 5 Sterne. Es ist einfach grandios. Das Kartenspiel bewerte ich mit 4 und das Würfelspiel mit 3,5 Sternen. Die Umsetzung der beiden kleinen Spiele ist nicht schlecht, kommt aber an das Original einfach nicht ganz heran. Dennoch bieten beide Spiele einen guten und günstigen Einstieg in die Welt von Burgen von Burgund. Unter Berücksichtigung der aktuellen Preise ist das Kartenspiel das Spiel mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis und somit mein Kauftipp.

Vielen Dank an Ravensburger für die Rezensionsexemplare des Karten- und Würfelspiels.

Das Kartenspiel „Die Burgen von Burgund“ bei Amazon erwerben

Spielbewertung für das Kartenspiel Die Burgen von Burgund von Stefan Feld

Schwierigkeit Spielspaß Spielreiz Spielgrafik
mittel hoch hoch gelungen
Alter Spieler Spieldauer Spielpreis
ab 12 Jahre 1 – 4 30-60 min ca. 13 Euro

Gesamturteil:

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Das Würfelspiel Die Burgen von Burgund bei Amazon erwerben

Spielbewertung für das Würfelspiel Die Burgen von Burgund von Stefan Feld

Schwierigkeit Spielspaß Spielreiz Spielgrafik
leicht – mittel hoch hoch etwas unübersichtlich
Alter Spieler Spieldauer Spielpreis
ab 10 Jahre 1 – 5 30 – 60 min ca. 18 Euro

Gesamturteil:
sterne_3_5_klein

 

 

(Ge)Tränke-Service der besonderen Art

Auf dem Blocksberg ist die Hölle los. Ausgerechnet zum Hexensabbat sind zahlreiche Tränke-Bestellungen aus dem ganzen Land in der Hexenzentrale eingegangen. Statt feiern steht jetzt liefern auf dem Programm. Also: Ran an die Kessel und rauf auf die Besen. Beim Kennerspiel des Jahres 2015 Broom Service von Alea gewinnt der Spieler, der die meisten Tränke gebraut und geliefert hat.

Auf dem Spielplan von Broom Service gibt es vier verschiedene Arten von Gebieten, die mit der jeweiligen Hexe betreten werden können

Auf dem Spielplan von Broom Service gibt es vier verschiedene Arten von Gebieten, die mit der jeweiligen Hexe betreten werden können

Jeder Spieler „betreut“ auf dem Spielplan zwei Hexen seiner Farbe. Der Spielplan ist in verschiedene Felder unterteilt (Wald, Hügel, Heide, Berg). Ziel des Spieles ist es, Tränke zu brauen und diese an die Bewohner in den Türmen auszuliefern. Wer dies tut, bekommt je nach Schwierigkeit der Aufgabe Siegpunkte. Die Türme sind dabei über das ganze Spielfeld verteilt. Je weiter vom Startpunkt weg, desto wertvoller werden die Türme. Dabei liegen nicht nur Gewitterwolken im Weg.

In Broom Service wird mithilfe von sogenannten Rollenkarten gespielt. Jeder Spieler hat zehn Rollenkarten zur Verfügung. Für eine Spielrunde muss er sich aus diesem Kartensatz vier Rollen aussuchen. Beginnend beim Startspieler einer Runde wird eine Rolle ausgespielt. Jede Rolle hat zwei Aktionen – eine mutige und eine feige Aktion. Der Spieler darf sich aussuchen, welche der beiden Aktionen er ausführen will. Worin besteht der Unterschied? Die feige Aktion darf ein Spieler immer ausführen. Es ist sozusagen die Grundfunktion. Die mutige Aktion verspricht einen Zusatzbonus, ist aber mit einem gewissen Risiko behaftet. Spielt der Startspieler beispielsweise eine Rollenkarte aus, müssen alle folgenden Spieler ebenfalls diese Karte spielen, sofern sie sie auf der Hand haben. Ansonsten passen sie. Dabei gilt: Feige geht immer, mutig nur der letzte mutige Spieler. Spielt also der Startspieler eine mutige Rolle aus, kann der nächste Spieler die gleiche Rolle ebenfalls mutig ausspielen. Der Startspieler muss dann seine Rollenkarte einfach ablegen und guckt in die Röhre. Hätte er mal feige gespielt. Der letzte Mutige darf also den Sonderbonus einsacken. Der Nachteil: Er muss jetzt die nächste Karte ausspielen.

Die Rollenkarten

Jede Rolle - hier die Berghexe - hat zwei Aktionen: eine mutige und eine feige

Jede Rolle – hier die Berghexe – hat zwei Aktionen: eine mutige und eine feige

Im Kartensatz eines Spielers gibt es vier Hexen, je eine pro Gebiet. Um ein Gebiet betreten zu können, muss man die entsprechende Hexe spielen. Des Weiteren gibt es zwei Kombi-Druiden (Wald/Heide und Hügel/Berg). Mit ihnen werden Tränke geliefert. Mit der Wetterfee lassen sich im Weg liegende Wolken entfernen. Die drei Sammler schließlich stellen je einen anderen Trank (oder Zauberstab) her.

Soweit die feigen Grundfunktionen. Für mutige Spieler sieht die Sache ganz anders aus. Eine mutige Hexe zieht nicht nur auf ein Feld, sie liefert auch gleich noch einen Trank. Ein mutiger Druide liefert einen Trank ab und erhält zusätzlich 3 Siegpunkte. Ähnlich ist es bei der Wetterfee. Auch hier gibt es einen 3-Punkte-Bonus. Bei den Sammlern kann man statt eines Trankes bis zu drei Tränke bekommen. Man sieht also: Mut wird belohnt. Dennoch ist Broom Service nichts für Übermütige. Als Startspieler muss man sich schon ziemlich sicher sein, um eine mutige Aktion zu spielen. Vor allem, wenn hinter einem noch vier andere Spieler sitzen.

Taktik

Bei Broom Service kommt es ganz stark auf die Position an, die man aktuell gerade einnimmt. Als letzter Spieler an der Reihe lässt sich eine Aktion natürlich immer mutig spielen und der Bonus abgreifen. Doch das ist vielleicht nicht immer sinnvoll. Haben alle Spieler vor einem feige gespielt, kann man seine Aktion auch feige spielen. Dann muss wieder der gleiche Spieler mit der nächsten Runde beginnen und man sitzt weiter hinten. Jetzt eventuell für eine lukrative Aktion.

Ein Beispiel: Ein Spieler spielt einen Kräutersammler feige aus. Die nächsten beiden Spieler haben keinen Kräutersammler und passen. Jetzt hat der letzte Spieler die Wahl: Spielt er seinen Kräutersammler mutig, bekommt er den Bonus (einen weiteren grünen Trank und einen Zauberstab). Spielt er den Kräutersammler aber ebenfalls feige aus, verzichtet er zwar auf den Bonus des Kräutersammlers (den er eventuell auch gar nicht braucht), bringt sich aber in eine gute Position, um beispielsweise eine Hexe mutig spielen zu können.

Eine andere gute Strategie: Zunächst mit feigen Hexen und der feigen Wetterfee sich von den anderen Spielern absetzen, um schnell an die wertvollen Türme zu kommen.

Einem Spieler stehen 10 Rollenkarten zur Verfügung, aus denen er pro Runde vier aussuchen muss

Einem Spieler stehen 10 Rollenkarten zur Verfügung, aus denen er pro Runde vier aussuchen muss

Auf jeden Fall sollte man seine Spielzüge flexibel gestalten. Es macht keinen Sinn, nur einen ganz exakt geplanten Spielzug zu verfolgen. Sieht dieser Spielzug beispielsweise vor, die Wetterfee exakt als dritte Karte zu spielen, geht der ganze Spielzug flöten, wenn ein Mitspieler als erste Karte die Wetterfee auslegt.

Nicht zu unterschätzen ist die Wetterfee. Sie erlaubt das Wegzaubern von Wolken. Dazu benötigt man allerdings Zauberstäbe, die beispielsweise über die Sammler bezogen werden können. Auf jeder Wolke steht, wie viele Zauberstäbe ein Spieler haben muss, um sie zu entfernen. Außerdem sind auf den Wolken Blitze (1-3) abgebildet. Am Ende des Spiels gibt es für die Blitze kräftig Punkte. Diese können das Endergebnis nochmal ziemlich durcheinander würfeln.

Weitere Spielelemente

Gespielt wird über sieben Runden. In jeder Runde gibt es eine Ereigniskarte, die die Bedingungen etwas ändern. Die Ereigniskarten sind dabei positiv oder negativ. So gibt es zum Beispiel Zusatz- oder Minuspunkte für das Gebiet, in dem eine Spielfigur am Ende einer Runde steht. Oder man muss seine Rolle immer mutig oder feige spielen. Dafür gibt es dann aber einen Bonus.

Außerdem sind die sogenannten „verwunschenen Rollen“ im Spiel. Je nach Spieleranzahl werden mit einer nicht benutzen Farbe 1 bis 3 Rollen aufgedeckt (4-2 Spieler). Wer eine dieser Rollen spielt, muss drei Siegpunkte abgeben. Und von Siegpunkten trennt sich natürlich keiner gern. Genau darin liegt der Vorteil, eine verwunschene Rolle mutig zu spielen. Sollte es allerdings vorkommen, dass mehrere Spieler diese Idee haben, kann der Schuss leicht nach hinten losgehen – Punkte weg und Karte weg ohne Aktion.

Fazit

Broom Service lebt von dem Nervenkitzel, eine Rolle mutig auszuspielen. Ständig ist man am überlegen: Was könnten meine Mitspieler für Karten haben? Bin ich der einzige, der diese Rolle in dieser Spielrunde spielt? Oder sitzt hinter mir noch jemand, der diese Rolle jetzt auch spielen will? Je nachdem, zu welchem Schluss man kommt, sollte man seine Rolle mutig oder feige spielen. Gerade die Hexen laden förmlich zur mutigen Variante ein, da sie einen Doppelzug als Bonus versprechen.

Letztendlich sind es diese ständigen Überlegungen, die aus Broom Service ein Kennerspiel und kein Familienspiel machen. Jüngere Mitspieler sind hier schnell überfordert. Das gleiche gilt für Gelegenheitsspieler. Für Spielekenner und Vielspieler bietet Broom Service aber genügend Variationsmöglichkeiten an. Mit den Sturmwolken, den Berg-, Wald- und Hügelplättchen stehen Spielelemente zur Verfügung, die für Abwechslung im Tränke-Lieferservice-Alltag sorgen. Alles in allem ist Broom Service von Andreas Pelikan und Alexander Pfister ein würdiger Sieger beim Kennerspiel des Jahres 2015.

Broom Service direkt bei Amazon bestellen

Spielbewertung für Broom Service von Andreas Pelikan und Alexander Pfister

Schwierigkeit Spielspaß Spielreiz Spielgrafik
mittel hoch hoch nett gemacht
Alter Spieler Spieldauer Spielpreis
ab 10 Jahre 2 – 5 40 min ca. 26 Euro

Gesamturteil:

sterne_4_klein