Die Jury hat gesprochen

Alexander Pfister und Andreas Pelikangeben Tipps zu ihrem Spiel Isle of Skye

Alexander Pfister und Andreas Pelikan geben Tipps zu ihrem Spiel Isle of Skye

Zum Kennerspiel des Jahres 2016 kürte die Jury „Isle of Skye“ von Alexander Pfister & Andreas Pelikan. „Isle of Skye wirkt dank schlanker Regeln einfach, und doch ist es faszinierend herausfordernd“, sagt die Jury. Wie im richtigen Leben brauchen die Spieler in diesem Lege- und Wirtschaftsspiel Erfahrung, um ihr Geld taktisch schlau zu verwalten und einzusetzen. Darüber hinaus überzeugt Isle of Skye mit einem flexiblen Wertungssystem, das in jeder Partie die Ziele neu definiert. Die elegante Verzahnung vieler innovativer Mechanismen und Ideen grenzt an Perfektion.

Eine Rezension mit Autorentipps gibt es hier.

Nominiert waren außerdem:
„Pandemic Legacy – Season 1“ von Matt Leacock & Rob Daviau, Verlag/Vertrieb: Z-Man Games/Asmodee
„T.I.M.E Stories“ von Manuel Rozoy, Verlag/Vertrieb: Space Cowboys/Asmodee

Spiel des Jahres 2016

„Codenames“ von Vlaada Chvátil (Verlag/Vertrieb: Czech Games Edition/Heidelberger Spieleverlag) ist das Spiel des Jahres 2016. So urteilte heute die Spiel-des-Jahres-Jury
Ihre Begründung: Einer ersten Partie Codenames folgt oft die zweite. Dann die dritte, die vierte. Das Spiel mit Assoziationen übt einen Sog aus, dem sich kaum jemand entziehen kann. Möglichst viele Wörter mit einem Begriff zu umschreiben, ohne auf Wörter der Konkurrenz hinzuweisen – diese wiederkehrende Aufgabe ist wie ein Rätsel, das man unbedingt lösen möchte. Gute Varianten für zwei oder drei Spieler runden dieses Teamspiel ab. Wer gerne mit Sprache jongliert, wird Codenames lieben.

Nominiert waren außerdem:
Imhotep“ von Phil Walker-Harding, Verlag: Kosmos
Karuba“ von Rüdiger Dorn, Verlag: Haba

Advertisements

Stein für Stein zur Pyramide

Der altägyptische Baumeister Imhotep lebte vor fast 5000 Jahren am Nil. Er war einer der ersten großen Architekten Ägyptens. Phil Warker-Harding (Cacao) nimmt den charismatischen Pyramidenbauer – und nicht die legendäre Mumie – als Hintergrund für sein gleichnamiges Kosmos-Spiel. Wie man bei Imhotep Punkte macht? Indem man sich mit Steinen am Bau von Pyramiden, Tempeln, Grabmälern und Obelisken beteiligt.

Bei Imhotep gibt es vier Schiffe und fünf Anlegemöglichkeiten: Vier Baustellen und den Marktplatz

Bei Imhotep gibt es vier Schiffe und fünf Anlegemöglichkeiten: Vier Baustellen und den Marktplatz

Für begeisterte Asterix-Leser ist das Spiel schnell zu durchschauen. Ähnlich wie bei den Abenteuern des kleinen Galliers in Ägypten werden über den Nil die Steine an die verschiedenen Baustellen gebracht. Jeder Spieler verfügt dabei über eine eigene Steinfarbe. Der aktive Spieler kann wählen, ob er sich bis zu 3 Steine aus dem Vorrat in sein persönliches Lager nimmt (max. 5), einen seiner Steine auf einem Boot an beliebiger Stelle platziert oder ein Boot zu einer der Baustellen bewegt. Es sind immer vier Boote in einem Durchgang im Spiel. Die Größe der Boote variiert zwischen einem und vier Steinen. Ein Boot darf allerdings erst bewegt werden, wenn die aufgedruckte Mindestanzahl von Steinen im Boot vorhanden ist. Ein Spieler kann jedes Boot an jede beliebige Baustelle fahren, egal, ob er im Boot mit einem Stein vertreten ist. An jeder Baustelle kann allerdings nur ein Schiff anlegen. Haben alle Schiffe angelegt, ist der Durchgang zu Ende. Nach sechs Durchgängen endet das Spiel.

Die Steine wandern nahezu magisch via Schiff auf die Baustelle - nur nicht dahin, wo sie sollen

Die Steine wandern nahezu magisch via Schiff auf die Baustelle – nur nicht dahin, wo sie sollen

Also alles ganz einfach. Die Krux dabei: Da jeder Spieler die Boote bewegen kann, wandern die eingesetzten Steine nicht immer dahin, wohin man sie selber gerne hätte. Schließlich verfolgen alle Spieler einen Plan – mehr oder weniger. Hier ist gutes Taktieren gefragt. Das Eckige muss im richtigen Moment ins Boot. Denn: Die Reihenfolge ist entscheidend für das Abladen der Steine an der Baustelle. Nach dem Prinzip „der Vorderste zuerst“ werden die Steine auf den Baustellen nach einem festgelegten Muster positioniert. Somit erhält man je nach Position im Boot unterschiedlich Siegpunkte. Dumm nur, wenn das Schiff, auf dem man mühsam seinen Stein optimal gesetzt hat, den falschen Hafen anfährt.

Ein Spieler muss also bei jedem Zug entscheiden, ob er lieber selbst möglichst viele Punkte machen will oder ob er seinen Mitspielern vielleicht einen guten Score vermiesen will. Letzteres ist immer dann gut, wenn ein Spieler einen Stein in einem Schiff auf einem für ihn günstigen Platz abgelegt hat. Dies führt dazu, dass die Schiffe manchmal etwas unkoordiniert den Nil entlangfahren und viele Steine nicht ihr eigentliches Ziel finden. Der Horror für Strategen!

Abhilfe schaffen hier die Aktionskarten, die man an der fünften Anlegestelle, dem Marktplatz, bekommen kann. Mit ihnen lassen sich Beispielsweise Doppelzüge ausführen. Also erst Stein in ein Boot setzen und dann noch ein Boot fahren lassen. Auf diese Weise kann man tatsächlich Steine genau dahin bringen, wohin man sie haben will und wo sie auch ordentlich Punkte bringen. Der Marktplatz bietet aber noch mehr: Es gibt dort auch jede Menge Siegpunkte – wenn man die nötige Sammelleidenschaft mitbringt.

Fazit

Imhotep von Phil Walker-Harding ist bei Kosmos erschienen und kostet ca. 32 Euro

Imhotep von Phil Walker-Harding ist bei Kosmos erschienen und kostet ca. 32 Euro

Es hat sich gezeigt, dass eine total destruktive Haltung – nur dem Gegner seinen Score zu versauen – nichts bringt. Das klappt vielleicht mit einem Spieler, nicht jedoch mit allen. Mit dieser Taktik hat man keine Siegchance. Nur an das Gute im Mitspieler zu glauben, führt aber auch nicht zum Ziel. Imhotep gewinnt derjenige, der den Spagat zwischen eigenen guten Scores und schlechten Mitspieler-Scores am besten bewältigt. Und das ist nicht ohne. Trotz der leichten Regeln und dem schnellen und flüssigen Spielablauf entsteht aufgrund des Spielmechanismus ein Spannungsfeld, das sehr interessant ist und für Abwechslung sorgt. Darüber hinaus besitzen die vier Baustellen und der Markt zwei verschiedene Seiten, sodass man von Spiel zu Spiel den Ablauf etwas anders gestalten kann.

Vielen Dank an Kosmos für das Rezensionsexemplar.

Imhotep bei Amazon erwerben

Spielbewertung für Imhotep von Phil Walker-Harding

Schwierigkeit Spielspaß Spielreiz Spielgrafik
leicht – mittel hoch interessant sehr schön
Alter Spieler Spieldauer Spielpreis
ab 10 Jahre 2 – 4 40 min 32 Euro

Gesamturteil:

sterne_4_5_klein

 

Liebevoll zubereitete Götterspeise

Cacao von Abacus Spiele entführt in den Urwald Amazoniens

Cacao von Abacus Spiele entführt in den Urwald Amazoniens

Der größte Produzent von Kakao ist heute die…ja, wer hätte es gedacht…Elfenbeinküste. Afrika? Stammt der Kakao nicht aus Südamerika? Ein Blick in Wikipedia hilft. Ursprünglich kommt der Kakaobaum aus dem Amazonasgebiet. Bereits die Stammeshäuptlinge der Atzteken kannten den Kakao und formten daraus einen Schokoladentrunk zu Ehren des Gottes Quetzalcoatl. Genau in diese Zeit entführt uns das Spiel Cacao von Phil Walker-Harding. Im Urwald gilt es Kakao anzubauen und anschließend wieder zu verkaufen.

Gespielt wird auf einem imaginären Schachbrett mit weißen und schwarzen Feldern. Dabei kommen immer auf den weißen Feldern Urwaldplättchen zu liegen, auf den schwarzen Feldern werden die Arbeiterplättchen angelegt. Damit handelt es sich vom Prinzip her um ein Worker-Placement-Spiel. Nur werden hier nicht einzelne Figuren gesetzt, sondern Figurenkombinationen. Auf den Arbeiterplättchen sind immer vier Arbeiter aufgedruckt, die sich unterschiedlich verteilen. Es gibt Kombinationen wie 1-1-1-1 oder 1-2-1-0 oder 1-3-0-0. Begonnen wird das Spiel mit zwei diagonal nebeneinander liegenden Urwaldplättchen. Der Startspieler nimmt 3 seiner Arbeiterplättchen auf die Hand und führt folgende Schritte aus: Er legt eines seiner Arbeiterplättchen an, füllt eventuell entstandene Lücken zwischen Arbeiterplättchen aus (gibt es natürlich zu Beginn nicht) und führt die Aktion der anliegenden Urwaldplättchen so oft aus, wie er Arbeiter an diesen Plättchen hat. Anschließend nimmt er wieder ein Arbeiterplättchen aus seinem Vorrat.

Die Urwaldplättchen bieten nur wenige Aktionen, was das Spiel aber übersichtlich macht. Insgesamt gibt es sechs verschiedene Urwaldplättchen: Kakaobohnen nehmen, Kakaobohnen verkaufen, Geldminen, Wasser, Symbole und Tempel.

Jeder Spieler besitzt bei Cacao ein Dorf mit Wasserlauf und Lagerplätzen

Jeder Spieler besitzt bei Cacao ein Dorf mit Wasserlauf und Lagerplätzen

Jeder Spieler besitzt ein Dorf mit Wasserlauf und Lagerplätzen für Kakaobohnen. Zu Beginn des Spiels steht die Spielfigur des Wasserlaufes auf dem Feld -10. Für jeden Arbeiter an einem Wasserfeld darf man seine Spielfigur um ein Feld vorrücken. Im besten Fall erreicht man bei Spielende das letzte Feld mit dem Wert +16. Mit Arbeitern an den Geldminen (Wert 1 oder 2) darf man sich einfach entsprechend der Anzahl Arbeiter Geld nehmen. Gleiches gilt im Prinzip für die Felder Kakaobohnen nehmen (1 oder 2) und Kakaobohnen verkaufen (Wert 2, 3 oder 4). Allerdings muss man hierbei das Dorflimit von 5 Kakaobohnen beachten. Die Tempel werden erst am Ende des Spiels abgerechnet. Wer die Mehrheit der Arbeiter an einem Tempel besitzt, bekommt 6 Geld, der Zweite 3 Geld. Eine Sonderstellung hat das Steinsymbol. Man kann die Steinsymbole dazu verwenden, nachdem der Nachzugstapel an Urwaldplättchen leer ist, um bereits ausliegende, eigene Arbeiterplättchen zu überbauen. Dies ist normalerweise nicht möglich. Durch das Überbauen lassen sich alle Arbeiter auf den Plättchen nutzen und beispielsweise Mehrheiten an Tempeln noch verändern.

Fazit: Cacao ist ein einfaches Spiel für Spieleeinsteiger, das mich sofort überzeugt hat. Die taktische Komponente ist nicht allzu groß, aber doch vorhanden. Das Legespiel lässt sich prima zu zweit spielen. Hierfür muss man lediglich ein paar Teile aussortieren. Aber auch zu dritt oder zu viert macht das Spiel einfach nur Laune. Es ist schnell erklärt und genauso schnell gespielt. Vom Gesamteindruck her wäre eine Nominierung zum Spiel des Jahres durchaus gerechtfertigt. Und fast hätte es zu 5 Sternen gereicht…

Cacao bei Amazon erwerben

Spielbewertung für Cacao von Phil Walker-Harding

Schwierigkeit Spielspaß Spielreiz Spielgrafik
Leicht sehr hoch hoch hübsch gemacht
Alter Spieler Spieldauer Spielpreis
ab 8 Jahre 2 – 4 30 min 22 Euro

Gesamturteil:
sterne_4_5_klein