Im Paradies ist noch eine Häuptlingsstelle frei

Wer hat noch nicht davon geträumt, auf einer von Mangroven umgebenen, einsamen Insel mit herrlichen weißen Sandstränden und türkisblauem Wasser zu leben? Dieser Wunsch kann jetzt in Erfüllung gehen. Denn auf einer dieser Inseln ist die Häuptlingsstelle neu zu besetzen. Doch die Anforderungen an den Job sind hoch: Der Kandidat muss den Göttern gefallen, ein guter Hüttenbaumeister sein und ein Händchen für Amulette haben. Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, ist man für eine Partie Mangrovia bereit.

Durch das Setzen der Aktionsschalen auf die Inseln wählen die Spieler gleich zwei Aktionen

Durch das Setzen der Aktionsschalen auf die Inseln wählen die Spieler gleich zwei Aktionen

Mangrovia ist ein klassisches Worker-Placement-Spiel. Allerdings, wenn ich es mir recht überlege, ist es das auch wieder nicht. Zwar sind die Mechanismen ähnlich, aber eben doch etwas anders. Auf dem Spielplan gibt es eine kleine Inselkette mit 6 Inseln. Jede Insel besitzt zwei Anlegestellen auf gegenüberliegenden Seiten. Es gibt also insgesamt zwölf Anlegestellen und somit auch 12 Aktionen. Die Spieler, beginnend beim Startspieler, besetzen jetzt die Inseln und entscheiden sich damit gleich für zwei Aktionen. Bei drei Spielern darf jeder Spieler 2 Inseln besetzen, bei vier und fünf Spielern nur eine. Ist die Setzphase abgeschlossen, fährt ein kleines Schiff einmal um die Inselkette herum, von Anlegestelle zu Anlegestelle. Die Spieler haben also nicht gleichzeitig beide Aktionen einer Insel, sondern die Aktion wird erst ausgeführt, wenn das Schiffchen vorbeikommt. Das heißt, der Spieler, der die Insel 1 belegt, hat Aktion 1 und 12. Der Spieler mit Insel 2 dann entsprechend die Aktionen 2 und 11. Undsoweiter. Ist das Schiffchen einmal um die Inselkette herum und alle Aktionen ausgeführt, wird der neue Startspieler bestimmt und es beginnt eine neue Setzrunde. Hat ein Spieler seine letzte Hütte gebaut, wird abgerechnet. Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt.

Punkte machen

Übersicht über das Spielbrett: Unten der Pfahlplatz, rechts der Aktionsbereich und links die Amulettleiste

Übersicht über das Spielbrett: Unten der Pfahlplatz, rechts der Aktionsbereich und links die Amulettleiste

In Mangrovia gibt es veschiedene Arten, um Punkte für die Häuptlingswahl zu machen. Man kann Hütten bauen oder Amulette sammeln. Auf dem Spielplan sind unterschiedliche Landschaftsfelder (Mangroven, Sand, Schilf, Wasser) in Spalten und Reihen angeordnet. Auf diese Felder dürfen Hütten gebaut werden. Es gibt insgesamt 8 Götterpfade (vier waagrecht und vier senkrecht), den Steinplatz und den Pfahlplatz. Wer in den Götterpfaden die meisten Hütten gebaut hat, bekommt den am Rand der entsprechenden Spalte oder Reihe aufgedruckten Bonus. Der Spieler mit den zweitmeisten Hütten erhält noch den halben Bonus. Die anderen Hütten gehen leer aus.

Der Steinplatz bei Mangrovia ist eine wahre Punktegrube. Hier erhält Rot satte 50 Punkte!

Der Steinplatz bei Mangrovia ist eine wahre Punktegrube. Hier erhält Rot satte 50 Punkte!

Auf dem Steinplatz werden die Punkte anders berechnet. Wer innerhalb des 3×3-Rasters eine Hütte platziert hat, multipliziert am Ende die Anzahl seiner Hütten mit der Gesamtzahl der Hütten auf dem Steinplatz. Ein Beispiel: Rot hat drei Hütten innerhalb des Steinplatzes gebaut. Insgesamt gibt es fünf Hütten. Rot erhält am Spielende also 3 x 5 = 15 Häuptlingspunkte.

Der Pfahlplatz funktioniert noch einmal anders. Wer die meisten Hütten in dem 3×3-Raster hat, bekommt 12 Siegpunkte, der zweite erhält 6 Punkte. Darüber hinaus gibt es beim Setzen der Hütten in diesem Gebiet Direktpunkte. Die erste Hütte erhält 2 Siegpunkte, die zweite 3, die dritte 4 undsoweiter.Tie-Braker bei Gleichstand ist die früher gebaute Hütte.

Auf dem Spielplan gibt es auch zehn runde Baufelder. Sie werden zum Erhalt der Amulette benötigt. Auf dem Spielplan gibt es eine Amulettleiste. Alle Spieler starten bei 0. Für jedes bebaute runde Feld auf dem Spielplan geht es auf der Amulettleiste ein Feld nach oben. Je höher man auf der Amulettleiste steht, desto mehr Amulette darf ein Spieler aus dem Amulettsäckchen ziehen und behalten. Die Amulette werden zum Bau von Hütten benötigt und zählen am Ende auch als Siegpunkte.

Hütten bauen

Die Paradiesvögel zeigen an, auf welchen Feldern in der aktuellen Runde gebaut werden darf

Die Paradiesvögel zeigen an, auf welchen Feldern in der aktuellen Runde gebaut werden darf

Alles dreht sich bei Mangrovia um den Bau von Hütten. Wie werden diese nun gebaut? Die Baufelder haben bestimmte Zahlenwerte oder aufgedruckte Amulette. Um eine Hütte zu bauen, muss man entweder genau die entsprechende Zahl an Amuletten abgeben oder die exakte Anzahl an Kostbarkeiten – Erklärung kommt gleich. Außerdem benötigt man eine passende Landschaftskarte. Voraussetzung ist allerdings, dass auf dem gewünschten Baufeld überhaupt gebaut werden darf! Dazu ist auf dem Spielplan links oben der Orakelfelsen mit den vier Landschaftsarten abgebildet. Auf den vier Feldern liegen zwei Paradiesvögel. Sie markieren die beiden Landschaftsarten, auf denen aktuell gebaut werden darf. Die Paradiesvögel werden im Übrigen mit der Aktion 12 verschoben.

Es gibt zwei verschieden Kartensorten im Spiel – die Landschaftskarten und die Kostbarkeiten. Beide liegen als Stapel und offene Auslage neben dem Spielplan. Mit der entsprechenden Aktion kann ein Spieler offene und/oder verdeckte Karten von einer beliebigen Sorte ziehen.

Womit wir wieder bei den Aktionen wären. Um eine Hütte bauen zu können, muss man natürlich auch eine passende Aktion haben. Es gibt wie bereits erwähnt 12 Aktionen in den Kategorien Karten ziehen, Amulette ziehen, Hütten bauen und Startspieler werden (inklusive Paradiesvögel verschieben).

Taktik

Um richtig an Amulette zu kommen, muss man die runden Felder besetzen

Um richtig an Amulette zu kommen, muss man die runden Felder besetzen

Eine erfolgversprechende Taktik ist das Sammeln von Amuletten. Zunächst baut man möglichst schnell die runden Landschaftsfelder, um auf der Amulettleiste nach vorne zu kommen. Anschließend holt man sich die Amulette und sammelt diese. Doch das allein reicht nicht zum Sieg. Ideal ist als Ergänzung der Steinplatz. Zu Beginn ist der Steinplatz aus punktetechnischer Sicht unattraktiv. Baut jedoch ein Spieler 3 bis 4 Hütten in den Steinplatz, werden die anderen Spieler schnell folgen und der Platz wird voll. Es sind 8 Bauplätze vorhanden, auf denen theoretisch mit dem Zug „Doppelhütte bauen“ 16 Hütten gebaut werden können. Erinnern wir uns an den Berechnungsmodus: Eigene Hütten x gesamte Hütten = Häuptlingspunkte für einen Spieler. Der Steinplatz hat also ein enormes Punktepotenzial. Dieses wird natürlich nicht ausgeschöpft, doch 30 bis 40 Punkte lassen sich hier leicht erzielen. In Kombination mit den Punkten, die man beim Bau der Hütten erhält, schafft man so zwischen 90 und 100 Häuptlingspunkte. Ein ganz passables Ergebnis, das über die Götterpfade nur schwer zu erreichen ist, da deren Häuptlingspunkte für alle offensichtlich und beim ersten Blick auf das Spiel sehr lukrativ sind. Sollten allerdings mehrere Spieler diese Strategie verfolgen, könnten sie sich neutralisieren und die Götterpfade machen das Rennen. Es gilt also, den Spielverlauf gut zu lesen und im richtigen Moment auf das richtige Pferd zu setzen.

Interessant ist das Spiel, wenn man es mit unterschiedlicher Spieleranzahl – mal zu dritt oder zu viert – spielt. Bei drei Spielern sind in jeder Runde alle 12 Aktionen im Spiel, d.h. es gibt sehr viel mehr Bewegung bei der Reihenfolge des Startspielers. Im Spiel zu viert sind nur vier der sechs Inseln besetzt. Die Aktion Startspieler ist dabei so gut wie nie im Spiel. Und das aus gutem Grund: Sollte die Aktion nicht gewählt werden, wandert der Startspielerstein automatisch einen Platz weiter und die zwei Paradiesvögel werden auf die beiden freien Landschaftsfelder geschoben. Man kann den Spielablauf daher ganz gut planen und es besteht keine Notwendigkeit, unbedingt Startspieler zu sein, da man als vierter Spieler immer noch zwei gute Aktionen abbekommt.

Fazit

Mangrovia bietet viele taktische Möglichkeiten, ist aber vom Mechanismus her nicht besonders schwierig. Das Spiel ist grundsolide und man macht beim Kauf sicherlich nichts falsch. Die grafische Gestaltung ist sehr ansprechend und passt gut zum Thema. Auch bei diesem Spiel könnte ich mir eine Nominierung zum Spiel des Jahres vorstellen. Ob es dazu kommt, wir werden sehen.

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Spielbewertung für Mangrovia von Eilif Svensson

Schwierigkeit Spielspaß Spielreiz Spielgrafik
leicht – mittel hoch hoch sehr passend
Alter Spieler Spieldauer Spielpreis
ab 10 Jahre 2 – 5 60 – 90 min ca. 28 Euro

Gesamturteil:
sterne_4_klein

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