Humboldts große Reise

Das Spiel Humboldt´s Great Voyage entführt uns in die Entdeckerwelt von Alexander von Humboldt. Beim Auspacken des Spiels fällt einem sofort die großartige Verarbeitung und die exzellente Gestaltung des Spiels auf. Das weckt Vorfreude, die beim anschließenden Spielen leider schnell verfliegt.

Die Spieler reisen auf Humboldt´s Spuren rund um die Welt. Dazu sind auf dem Spielplan 16 Orte aufgedruckt, die während des Spiels bereist werden können. Jeweils 2 oder 3 Orte sind in einer der 6 Farben eingefärbt. Auf die 16 Orte werden im Spiel zu viert je 4 beliebige der 96 Wissenssteine (6 x 16) gelegt. Jeder Spieler erhält noch vier verschiedene Schiffskarten, die mit Kisten und Personen in den 6 Farben besetzt werden können. Ziel des Spiels ist es, die passenden Kisten für die Schiffe zu sammeln und mit ihnen in See zu stechen. So bekommt man Siegpunkte.

Der aktive Spieler erhält das Reisetagebuch und den Stoffbeutel. Er zieht zu Beginn seines Zuges einen farbigen Stein aus dem Beutel. Er muss sich jetzt entscheiden, ob er von dieser Farbe aus seine Reise beginnen möchte. Wenn ja, zieht er einfach einen zweiten Stein nach und legt ihn zu dem anderen auf das Reisetagebuch. Sagt ihm die erste Farbe nicht zu, zieht er auch einen zweiten Stein aus dem Beutel. Jetzt hat er allerdings keine Wahl mehr, er muss von einem Feld in der Farbe des zweiten Steines starten. Hat sich der Spieler für ein korrektes Startfeld entschieden, plant er seine Reise. Er nimmt dazu alle Steine aus dem Startort und reist entlang der Pfeile von Ort zu Ort. Dabei lässt er an jedem Ort einen Stein zurück. Passt die Farbe des Steines zur Farbe des Ortes, darf sich der Spieler eine entsprechend farbige Frachtkiste nehmen und auf seine Schiffe verteilen. Haben Ort und Reisestein unterschiedliche Farben, gibt es nichts. Anschließend verteilt der Spieler seine Frachtkisten auf die Schiffe. Sind auf einem Schiff alle Frachtplätze mit entsprechenden Kisten besetzt, kann er das Schiff in See stechen lassen und dafür die auf dem Schiff aufgedruckten Siegpunkte erhalten.

Die Schiffskarten sind zweigeteilt. Im oberen Teil – also auf Deck – werden die Frachtkisten abgelegt. Unter Deck gibt es noch eine Bedingung, um eine sogenannte Kontaktperson zu erhalten. Hier müssen Spielsteine abgelegt werden, die die nicht-aktiven Spieler während des Zuges des aktiven Spielers erhalten. Zur Verdeutlichung: Hat der aktive Spieler seine Reiseroute mit den Steinen aus dem Startort markiert, dürfen die anderen Spieler sich einen Stein aus einem der markierten Orte nehmen, sofern dort mindestens 4 Steine liegen. Dieser Stein wird auf den Schiffkarten unter Deck entsprechend der vorgeschriebenen Bedingung abgelegt. Sticht ein Schiff in See, erhält der Spieler die angegebene Kontaktperson. Die Kontaktpersonen bringen am Spielende Siegpunkte, können aber auch während des Reisens dazu verwendet werden, einen nicht passenden Spielstein in einen passenden umzufärben, um auf diese Weise mehr Frachtkisten zu erhalten.

Sind keine Steine mehr im Beutel, endet das Spiel. Schiffe, die sich noch im Hafen befinden, werden jetzt noch abgerechnet. Für erfüllte Bedingungen unter Deck erhält jeder Spieler jetzt noch die entsprechenden Kontaktpersonen. Für Sets aus unterschiedlichen Kontaktpersonen gibt es 10 (4), 6 (3), 3 (2) oder 1 (1) Siegpunkte. Für korrekt platzierte Frachtkisten mit Symbol darf man sich noch 2 Siegpunkte gutschreiben, für alle anderen Kisten noch einen. Wer jetzt die meisten Siegpunkte hat, gewinnt das Spiel.

Meine Meinung

Humboldt´s Great Voyage verspricht eigentlich mehr, als es hinterher hält. Vor allem im Spiel zu viert. Jeder Spieler ist in diesem Fall nur viermal der aktive Spieler. D.h., man hat genau vier Chancen, um seine Schiffe zu füllen. Verschärft wird die Situation noch dadurch, dass man sich nicht einmal den Startpunkt der Reise aussuchen kann. Auch dieser wird durch den Zufall bestimmt. Das einzige Korrektiv im ganzen Spiel sind die Kontaktpersonen, mit denen man gewisse Härten während der Reise abfedern kann, indem man Wissenssteine umfärben kann – allerdings auf Kosten von Siegpunkten in der Endabrechnung, da die Kontaktpersonen verloren gehen.

Der Startspieler hat darüber hinaus bei Humboldts Reise um die Welt ein ganz anderes Problem: Sollte er am Ende seines Zuges ein Schiff in See stechen lassen, bekommt er keine Kontaktperson, da es die Spielsteine nur als nicht-aktiver Spieler gibt. Ein Nachteil, der am Ende Siegpunkte kostet. Gleichzeitig bringt es keinen Vorteil anzufangen. Während also alle anderen Spieler im ersten Zug die Chance auf eine Kontaktperson haben, hat der Startspieler diese nicht.

Insgesamt ist Humboldt´s Great Voyage viel zu statisch, um auf längere Sicht Spieler zu begeistern. Man hat den Eindruck, dass um den bekannten Mancala-Spielmechanismus künstlich ein Thema aufgebauscht wurde. Ein Beispiel dafür ist das sinnlose Expeditionstableau, mit seinen verschiedenen Seiten: Auf der Vorderseite werden die Kontaktpersonen offen abgelegt, auf der Rückseite verdeckt. Die Auswirkungen auf den Spielablauf: Null.

Ob man die Kontaktpersonen offen oder verdeckt hält, hat keinerlei Auswirkungen auf das Spiel. Hier wird eine taktische Komponente vorgegaukelt, die es nicht gibt.

Aufgrund der tollen Grafik und der schönen Spielausstattung (glatte 5 Sterne) reicht es für Humboldt´s Great Voyage noch als Gesamtergebnis für 3 Sterne. Das Spiel selbst bietet einfach zu wenig. Zusammengefasst: mehr Schein, als Sein.  

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Spielbewertung für Humboldt´s Great Voyage von Remo Conzadori und Nestore Mangone

SchwierigkeitSpielspaßSpielreizSpielgrafik
leicht-mittelmäßiggeringexzellent
AlterSpielerSpieldauerSpielpreis
ab 10 Jahre2 – 4ca. 30 minca. 32 Euro

Gesamturteil:

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